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Großglockner Nordwand - Mayerlrampe

Großglockner Mayerl Rampe, NW Grat und Überschreitung

Datum: 20.-21.03.2014

Teilnehmer: Markus

Gipfel:

Großglockner 3798m

Kleinglockner 3770m

Schwierigkeiten: 75° - UIAA III am oberen NW Grat

Wetter: Ideale Bedingungen. Sonnenschein bei bis zu 18 Grad. Am Grat sehr windig

Lawine: 2

Ausrüstung: 2x60m Halbseil, Abseilausrüstung, Kletterausrüstung, 2 Eisgeräte, Helm, 8 Eisschrauben, diverse Schlingen, 2-3 mittlere Friends, 4 Expressen, Steigeisen

Bedingungen: Schneedecke tragend, guter Stapfschnee in der Draschlrinne, Mayerlrinne blank, oberer NW Grat fast Schneefrei

Strecke: Lucknerhaus 1918m - Stüdlhütte 2808m - Teischnitzkees - Grögerrinne 45° - Untere Glocknerscharte 3596m - Abseilen auf die Nordseite über Kuffner RInne/Facilides Rinne- Mayerlrampe - Grögerschneid 3660m - NW Grat- Großglockner Gipfel 3798m - Kleinglockner Gipfel 3770m - Adlersruhe - Erzherzog Johann Hütte 3454m  - Stüdlhütte 2808m - Lucknerhaus 1918m

 

„Hey Jupp, was machst denn die nächsten Tage? Hast Lust, mich zum Großglockner zu begleiteten?“ Das waren die ersten Worte eines Telefonats, das ich mit Markus am 19.03.2014 führte. Markus, eine Kletterfreund mit dem ich 2012 die Grundschartner Nordkante gemacht hatte, wollte die Mayerl Rampe an der Großglockner Nordwand gehen und anschließend den NW Grat zum Gipfel klettern.

Ein anspruchsvolles Ziel! Ich erbat ein bisschen Zeit, denn ich musste meine Arbeit kontaktieren, um Urlaub für die nächsten Tage zu bekommen. Aber schon ein paar Stunden später sagte ich Ihm zu.

 

Der Wetterbericht sagte für die kommenden Tage recht passables Bergwetter voraus. Auch die Verhältnisse müssten laut eines Berichts aus einem Internetforum und den Recherchen von Markus passen.

 

Also trafen wir uns am Donnerstag, den 20. März am Autobahnparkplatz Holzkirchen. Wir fuhren zusammen weiter durch den Felbertauerntunnel über Kals am Großglockner (1325m) zum Parkplatz beim Lucknerhaus (1920m).

 

Das Abendessen auf der Stüdlhütte (2801m) wartete bereits, deshalb ließen wir nichts anbrennen und gaben beim Hüttenzustieg Gas. 75 Minuten später hatten wir die gut 900Hm abgehakt, stellten unsere Ski neben der Eingangstüre der Stüdlhütte an die Wand und meldeten uns drinnen an.

 

Das mehrgängige Abendessen war wieder einmal ein Genuss und diesmal sogar in sehr guter Gesellschaft. Denn am Nachbartisch saß kein geringerer als Aksel Lund Svindal (Weltcup-Gesamtsieger Abfahrt 13/14), zusammen mit einem Filmteam. Wir erfuhren, dass sie das sog. „Lammer-Eisfeld“ befahren wollten.

Leider war die Nacht bewölkt und nicht sonderlich kalt und wir stellten uns schon auf ein kraftraubendes Schneegestapfe ein, da wir die Tourenski bei der Hütte lassen wollten.

 

Früh morgens ging es mit Steigeisen hinter der Hütte gleich steil einen Moränenrücken bergauf und bald wird das Teischnitzkees betreten. Wider Erwarten trug die Schneedecke. Durch diesen Umstand ging es recht flott zur ca. 45° steilen Draschlrinne, welche in die untere Glocknerscharte mündet. Voller Vorfreude standen wir standen wir kurze Zeit später auf der unteren Glocknerscharte. So ein Sonnenaufgang auf der Unteren Glocknerscharte hatte es schon in sich!

 

Der starke, eiskalte Wind machte den Aufenthalt recht unangenehm und so zogen wir der windigen Südseite die im Lee liegende Nordseite vor. Ich spürte beim Abseilen meine Zehen nicht mehr. Von der unteren Glocknerscharte wird an einem stabilen Klebehaken nordseitig in die äußerst brüchige Kufner-Rinne abgeseilt. Mit zwei 60m Halbseilen wird der zweite Abseilstand mit dem letzten Seilzipfel erreicht. Dieser liegt orographisch an der rechten Rinnenseite. Dieser Abseilstand besteht, recht abenteuerlich aussehend, aus einem Normalhaken und einem Klemmkeil. Da der Normalhaken beim Abseilen ausgebrochen ist, hang ich behelfsmäßig eine kurze Reepschnur dazu, um ein bisschen Redundanz zu erhalten.

 

Von hier wird in die Facilidesrinne hineingeseilt. Alles ziemlich schlechter Fels auf dieser Nordseite, deshalb lösten wir beim Abziehen des Seils auch ein wenig Steinschlag aus. Die eigentliche Mayerlrampe wird dann querend bzw. abkletternd in der 45-50 Grad steilen Rinne erreicht.

 

Diese Mayerlrampe stellt das Kernstück unserer Tour dar, ein Bollwerk aus Blankeis, ca. 250m lang und bis zu 75° steil und mittlerweile die einzige vernünftige Aufstiegsroute durch die Großglockner Nordwand. Erschreckende Fakten! Die Rampe sicherten wir klassisch und kletterten überschlagen bis zum Ausstieg zur sogenannten. „Grögerschneid“.

Nach vier kurzen Seillängen hatte uns die Sonne wieder. Leider auch der sehr starke Wind. Meine immer noch gefühllosen Zehen steckten immer noch fest in den Skistiefeln und wurden wegen dem Wind in der Sonne auch nicht wärmer.

Der weitere Weg über den oberen Nord-Westgrat (UIAA III) stellte kein Problem mehr dar. Wir verkürzten unser Seil und gingen gleichzeitig am langen Seil bis zum Gipfel des Großglockners. Zwischensicherungen gibt es hier in Form von Bohrhaken mehr als genug. Der Fels am Grat ist fest und wo man einen Griff braucht, da ist auch einer.

Mittlerweile war es schon Spät am Nachmittag und wir hatten das fast einmalige Erlebnis, alleine am Gipfel des Großglockners zu stehen. Unbeschreiblich! Die Brotzeit viel kurz aus, denn wir wollten weiter. Diese Tatsache, dass kein Mensch am Gipfel war, erleichterte uns natürlich unseren Weiterweg auf dem Normalweg. Denn wir mussten dadurch weder in der Glocknerscharte noch am Leitl anstehen.

Zügig ging es über den Kleinglockner hinunter zum Glocknerleitl. Noch vor der Erzherzog-Johann-Hütte konnten wir in den oberen steilen Teil des Ködnitz-Kees queren und rasant Höhenmeter laufend oder abrutschend vernichten. Wenig später waren wir wieder an der Stüdlhütte und fuhren ohne Pause mit den Tourenski weiter zum Parkplatz. Endlich kam ich dort aus meinen Skistiefeln raus. Eine Erleichterung nach 13Std. 1500Hm ab Stüdlhütte.

Fazit: In dieser Variante eine Wahnsinnstour. Eine Tour in der der komplette Alpinist gefordert ist. Eisklettern bis 75°, Felsklettern meist frei oder am laufenden Seil bis III+, und die Länge sollte auch nicht unterschätzt werden. Doch wer das ganz große Glück erleben kann, alleine auf dem Großglockner zu stehen noch dazu über die berühmteste Nordwandroute, dann nimmt man einiges in Kauf. Danke an Markus für die Idee.

 

 

 

 

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