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Arnspitzen Überschreitung - Wetterstein Gebirge

Arnspitzen Überschreitung

Datum: 23.06.2020

Teilnehmer: Helmut, Franz und Stefan

Gipfel:

Weißlehnkopf 2002m

Arnplattenspitze 2171m

Mittlere Arnspitze 2091m

Große Arnspitze 2196m

 

Schwierigkeiten: Stellen UIAA II+/III- 1550Hm

Wetter: Übergangstag. Am Morgen noch viele Wolken. Im Tagesverlauf immer weniger Bewölkung. Nach Mittag wolkenlos, 26 Grad im Tal.

Ausrüstung: Helm und viel zu trinken

Strecke: Gießenbach 1013m - Sattelklamm - Hoher Sattel 1495m - Weißlehnkopf 2002m - Arnplattenspitze 2171m - Mittlere Arnspitze 2091m - Große Arnspitze 2196m - Arnspitzhütte - Hoher Sattel 1495m - Sattelklamm - Gießenbach 1013m

 

Helmut und ich wollten wieder mal eine Tour gemeinsam gehen. Als Liebhaber der etwas anspruchsvolleren Bergtouren, schlug ich ihm die Arnspitz-Überschreitung vor. Mir wurde diese Tour schon von Peppi, einem Bergsteiger Kollegen vom Straubinger Alpenverein empfohlen. Diese Überschreitung hoch über Scharnitz und Mittenwald fordert den erfahrenen Bergsteiger. Heikle, steile Latschenwege und teilweise brüchige Kletterstellen im unteren dritten Grat müssen seilfrei im Auf und Abstieg beherrscht werden.

Helmut informierte noch Franz und Stefan und schon ging es zu viert über Garmisch, Mittenwald und Scharnitz nach Gießenbach. Dort parkten wir in der Nähe des Gasthofs Ramona. Von dort folgen wir einer beschilderten Schotterstraße Richtung Hoher Sattel 1495m. Am Ende der Schotterstraße, bei einer kleinen Bank steigen wir rechts einen schmalen Steig bergauf. Der Steig führt weiter in einen lichten Bergwald und endet direkt am Hohen Sattel. Hier könnten wir uns entscheiden, ob wir die Überschreitung von Ost nach West oder wie wir sie geplant haben von West nach Ost. Wir gehen nach links und folgen den gut markierten, steilen Steig, erst durch den Wald, dann über eine Schottereise zum grasbewachsenen Sattel zwischen Weißlehnkopf 2002m und der Arnplattenspitze 2171m führt. Von dort gehen wir nach links in ca. 5 Minuten durch einen Latschen bewachsenen Hang auf den Gipfel des Weißlehnkopf. Erster Gipfel für heute! Nach einer kurzen Pause steigen wir zurück zum Sattel und weiter Richtung Arnplattenspitze.

Kurz vor dem Gipfel stehen wir auf einmal vor einer gewaltigen Wand. Ein 40 Meter Steilaufschwung zeigt uns die Zähne. (UIAA II) Über die gutgriffige Wand folgen wir den leichtesten Weg. Uns war aber auch schon klar, dass dieser steil aufragende Berg nicht ganz einfach zu haben ist. Am Gipfel der Arnplattenspitze machen wir erst mal eine Trinkpause und genießen die Aussicht. Vom Gipfel steigen wir erst einmal richtig anspruchsvoll im oberen zweiten Grad, die vom Tal bereits erkennbaren Gipfelplatten ab. Aber wie so oft bei leichter Kletterei, löst sich die Sache recht gut auf.

Auch die Wegsuche wird ab dem Gipfel um einiges Anspruchsvoller. Ab und zu finden wir Steinmandl aber Markierungen suchen wir vergeblich. Der Abstieg in die Scharte vor der Mittleren Arnspitze (2091m) verläuft teils über Schrofen und Schutt, teils durch Latschen. Insgesamt halten wir uns ziemlich links und kommen immer wieder mal der Gratkante sehr nahe, die die Ostflanke der Arnplattenspitze nach Norden begrenzt.

Die Scharte vor der Mittleren Arnspitze ist dann recht breit und gemütlich. Aber über uns baut sich eine etwa sechzig Meter hohe, nahezu senkrechte Felswand auf. Ich bin schon eine wenig erstaunt. Wie sollen wir da ohne Seil hinaufkommen. Ich steige als erster ein und folge den spärlich gesetzten Steinmännern. Es ist unglaublich, diese steile Wand ist kletterbar. Ohne große Schwierigkeiten, immer den Weg der geringsten Schwierigkeiten folgend, klettern wir etwa 30 Meter rauf, ehe wir an einem markanten senkrechten Riss, nach links in die Flanke hineinqueren. Auf Bändern und kurzen Kletterstufen erreichen wir die Scharte zwischen den beiden Mittleren Arnspitzen. Auf der anderen Seite der Scharte geht es über einen kurzen Steilaufschwung zur Mittleren Arnspitze hinauf. (UIAA III-)

Am Gipfel gönn ich mir einen Schluck Cola und einen Riegel. Dann müssen wir vom Gipfel kurz zurück. Wir steigen zehn Meter wieder zurück und queren auf einem Band in eine dem Gipfel südlich vorgelagerte Scharte. Jenseits davon wartet eine etwa dreißig Meter tiefe, schwach ausgeprägte und steile Verschneidung. Für mich war das auch eine UIAA III-, denn die Rinne ist brüchig und echt unangenehm ab zu klettern. Anschließend nimmt uns ein Schuttfeld auf und führt uns zu einer schwach ausgeprägten Geländekante. Eine senkrechte Felswand trennt und vor einem breiten Sattel. Eine letzte schwierige Passage ist jetzt noch vor uns, bevor der Weg zur Großen Arnspitze frei ist. Das in einige Führern und Berichten als "bösartig aussehendes Band" bezeichnete Band entpuppt sich als Mogelpackung. In der waagrechten und steilen Querung befindet sich eine feste und griffige Henkelleiste. Ohne Schwierigkeiten gelangen wir auf den Sattel und folgen dem Grat im besten Fels. Genusskletterei per excellence. So macht klettern richtig Spaß. Schneller als erwartet erreichen wir den Gipfel der Großen Arnspitze. Der Gipfel selbst trägt nur eine Markierungsstange. Das Gipfelkreuz befindet sich auf einem fünfzig Meter entfernten Vorgipfel, der vom Tal aus wohl besser zu sehen ist. Am Gipfel ist erstmal eine Brotzeit angesagt. Ich genieße die Aussicht und freue mich auf unser alkoholfreies Radler, dass jeder den ganzen Weg über im Rucksack hatte und wir auf der Arnspitzhütte trinken wollten. Der Rückweg zum Ausgangspunkt führt zunächst steil im Schotter zur Arnspitzhütte hinunter. Hier machen wir Brotzeit und genießen unser wohlverdientes Radler.

Direkt an der Hütte setzt ein zwar markierter, aber nicht ausgeschilderter Weg an, der zunächst am Klohäuschen vorbei in eine kleine Scharte führt. Jenseits davon gelangen wir durch eine steile, unbefestigte Rinne in eine riesige Schrofen und Schotterflanke hinab, die wir absteigend komplett queren. Eine schlimme Sache, dieser Abstieg. Selten habe ich sowas unbefestigtes und loses begangen. Unterhalb der Arnplattenspitze treffen wir, nachdem wir die Schotterflanke überlebt hatten, auf einen kleinen Wald. Wir wandern durch den echt schönen und schattigen kleinen Wald, bis wir wieder beim Hohen Sattel rauskommen. Von dort geht es auf dem Anstiegsweg zurück zum Parkplatz.

 

 

Fazit: Ein Geheimtipp für Grat- und Kletterfans. Die Kletterei am Grat super, nicht nur wegen der sensationellen Aussicht und der niedrigen Frequentierung dieser Tour. Erfahrende Bergsteiger, die den unteren III. Grad problemlos beherrschen kommen hier voll auf ihre Kosten. Prädikat empfehlenswert!

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