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Hochtour Nadelhorn 4327m und Ulrichshorn 3925m - Walliser Alpen

 Auf den höchsten des Nadelgrates

 

Datum: 29.07.2018

Teilnehmer: Robert, Elke, Andreas

 

Gipfel:

Nadelhorn 4327m über Normalweg (Nordostgrat)

Ulrichshorn 3925m über Normalweg vom Windjoch

 

Schwierigkeiten: WS - 45°

Bedingungen: guter Trittschnee, sonst Wechsel zwischen gedeckelt und Frühjahrfirn, Gipfelanstieg felsig, eisig unangenehm

Wetter: strahlender Sonnenschein; -6 Grad auf 3000m

 

 

Strecke:  Saas Fee – Hannig Bahn – Hannig Alpe 2336m - Mischabelhütte 3335m – Hohbalmgletscher – Windjoch 3850m – Nordostgrat – Nadelhorn 4327m – Nordostgrat – Windjoch 3850m – Ulrichshorn 3925m – Windjoch 3850m – Hohbalmgletscher – Mischabelhütte 3335m – Hannig Alpe 2336m – Hannig Bahn – Saas Fee 

Eine kleine Übersicht unserer Tour. Ohne jeglichen Maßstab.

Unser erstes Ziel unsere Westalpentage sollte das Nadelhorn sein. Wir fuhren nach Saas Fee und parkten unser Wohnmobil auf einem Schotterplatz neben dem Parkhaus. Nach einem kurzen Spaziergang erreichten wir die Talstation der Hannig Bahn, die uns die ersten Meter unseres Hüttenzustiegs erleichtern sollte. Kurze Zeit später schweben wir schon in die Höhe. Auf der Hannigalp auf etwa 2350 Meter angekommen, schulterten wir unseren Rucksack und machten uns endgültig zu Fuß Richtung Mischabelhütte auf.

 

Die folgenden gut 1000 Höhenmeter hatten es aber in sich. In den Ostalpen wäre es eine ausgewachsene, eigenständige Tour. Hier ist es nur ein abwechslungsreicher und interessanter Hüttenzustieg.

 

 

Beim Hüttenzustieg, links der Bildmitte die Hannigalpe.

Von der Bergstation Hannig queren wir erst die Hänge unterhalb des Tällihorn und der Distelhörner bis zur Schönegge. Hier beginnt der Weg steil anzusteigen und führt anstrengend in Serpentinen, teils über Leitern und Klettersteigstellen B/C und ausgesetzte Passagen, hoch zur Hütte. Dort angekommen, aber auch schon auf dem gesamten Hüttenzustieg bietet sich ein unglaubliches Panorama. Allalinhorn, Alphubel, Dom, Täschhorn und einige andere mehr…

 

Ich setzte mich auf einen Stein vor der Hütte und wartete auf die anderen. Nachdem wir unser Lager bezogen haben, wollten wir noch ein wenig den morgigen Zustiegsweg zum Hohbalmgletscher erkunden und steigen gut zwanzig Minuten hinter der Hütte auf. Nach einem schönen Hüttenabend mit erstklassiger Verköstigung legten wir uns in unsere Schlafsäcke und freuten uns auf den morgigen Tag.

Bilder vom Hütten-Zustiegstag.

Früh ist das Wecken in der Hütte. Schnell waren wir abmarschbereit und so zogen wir als zweite Seilschaft im Lichtkegel unserer Stirnlampen Richtung Hohbalmgletscher. Ich gehe in Gedanken noch kurz meine Ausrüstung durch, aber ich denke ich habe alles. Wie gestern schon ausgekundschaftet, führte uns hinter der Hütte eine schwach erkennbare Spur, direkt über eine Felsrippe im Geröll bis auf eine Höhe von rund 3560 Metern empor. Dort erreichen wir das höhere, flachere Plateau des Hohbalmgletschers. Wir ziehen Steigeisen an, greifen uns unseren Pickel und betreten den Gletscher, wo uns eine gute Spur Richtung Windjoch aufnimmt.

 

 

Auf dem Weg ins Windjoch, kann man ganz ehrfürchtig linkerhand die Nordwand der Lenzspitze bestaunen. Was für einen Schneewand, die aber in den letzten Jahren auch gewaltig unter dem Klimawandel leiden musste. Im unteren Drittel schauen bereits im Frühsommer immer öfter die braunen Steine heraus. Der Hohbalmgletscher selbst ist flach aber doch recht spaltenreich. Ich trotte gedankenverloren den anderen hinterher. Schaue links und rechts. Sauge die Stimmung des neuen Morgens in mich auf. Pünktlich auf den letzten Metern zum Windjoch geht dann die Sonne auf. Was für eine gewaltige Stimmung. Die Berg- und Gratspitze von Lenzspitze und Nadelhorn scheinen zu brennen. Faszinierend! 

 

Auf dem Weg ins Windjoch.

Jetzt kurz vor dem Windjoch steilt die Route etwas auf. In wenigen kurzen Serpentinen erklimmen wir das Joch, das heute seinem Namen nicht gerecht wird. Regelrecht windstill ist es heute, was mir mit meinen dünnen Handschuhen sehr entgegen kommt.

 

Vom Windjoch führt der Firngrat wie eine Himmelsleiter bis zum Felsaufbau des Gipfels zu. Wir machen kurz Pause, verpflegen uns, packen das Seil weg und genießen die Aussicht auf den Nadelgrat und die Nordflanke der Lenzspitze. Einmal auf dem Nordostgrat, fällt der Riedgletscher nordwärts steil ab, während unsere Route selbst erst in mäßiger Steigung bergauf führt. Besonders bei blanken Verhältnissen in Kombination mit eisigem Wind kann auch dieser, eigentlich einfache Grat anspruchsvoll werden. Ich gehe voraus, die anderen haben ziemliche Probleme mit der Höhe und gehen dementsprechend langsamer. Ich warte kurz vor dem felsigen Gipfelaufbau, aber die kommen nicht. Also steige ich die letzten Meter auf den nach oben spitzer werdenden Gipfel hinauf. 

Auf dem Nordostgrat. Links das Nadelhorn, in Bildmitte das Stecknadelhorn und rechts das Hohberghorn.

Erst noch im Schnee, dann aber auf ungutem Eis und später im brüchigen, aber leichten Fels der Rinnen und Furchen komme ich dennoch rasch höher. Am Gipfel selbst, auf dem ein kleines Kreuz steht, kann sich gerade mal ein Bergsteiger aufhalten. Was für eine Aussicht. Ein gewaltiger Rundumblick auf die Walliser Gipfelprominenz und besonders in die Nordflanke vom Dom sind inclusive. Eigentlich will ich noch die Aussicht genießen aber unter mir werden die Gipfelaspiranten ungeduldig. Also steige ich zurück, hinunter zum Rucksack. Ich warte auf die anderen die mittlerweile bei mir eingetroffen sind. 

Der Gipfel ist in Sicht!

Ich mache Brotzeit während die anderen zum Gipfelkreuz aufsteigen.

 

Den Abstieg gehen wir wieder gemeinsam an. Aber nur ein paar Minuten nachdem wir aufgebrochen sind, kommt Robert auf die Idee noch auf das Ulrichshorn zu steigen. Andreas und Elke wollen lieber nicht und so gehen wir beide voraus. Wir forcieren unser Gehtempo und erreichen kurze Zeit später das Windjoch und steigen weiter am Firngrat die letzten hundert Höhenmeter zu einem wunderbaren Aussichtspunkt, dem Ulrichshorn hinauf. Der Gipfel, der nur knapp die 4000er Grenze nicht erreicht, bietet eine Aussicht der Sonderklasse. Lenzspitze Nordwand, Nadelhorn mit Nadelgrat und der spaltige Riedgletscher. Ein Platz, wo man sich stundenlang aufhalten könnte. Wir wollen Elke und Andreas unten am Windjoch nicht länger warten lassen wie es notwendig ist und so machen wir uns kurze Zeit später an den Abstieg. Anschließend geht es in Seilschaft vom Windjoch über den Hohbalmgletscher zurück zur Mischabelhütte. Dort machen wir nur kurz Pause, denn wir wollen heute noch das Tal wechseln. Wir machen uns an den langen, anstrengenden Abstieg ins Tal, wo uns die Hannig Bergbahn wieder einen Teil des Abstiegs abnimmt.

Fazit: Wir haben das Nadelhorn bei guten Verhältnissen erwischt. Der Grat war gut mit Schnee bedeckt und die Gipfelfelsen nicht zu sehr vereist. Alles in allem eine Wunderbare Eingehtour mit gewaltiger Aussicht. 

Die Aussicht auf den Nadelgrat, ganz unten das Windjoch und rechts der wild zerrissene Riedgletscher

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