· 

Piz Palü 3905m - Piz Bernina 4049m

Hochtourentage in der Bernina

Teilnehmer: Robert, Elke, Andreas, Dax, Franz und Helmut

Gipfel:

Piz Palü 3905m (Überschreitung aller 3 Gipfel)

Piz Bernina 4049m

Schwierigkeiten:

Piz Palü 40° und UIAA II+ am Felsgrat nach dem Piz Spinas

Piz Bernina 40° und Stellen UIAA III am Ostgrat zum Piz Bernina

 

Ein langer Traum sollte mit der Besteigung des Piz Bernina in Erfüllung gehen. Der höchste Ostalpengipfel! Aber nicht ohne Schwierigkeiten. Schon in der Woche vor Abreise wurde das Wetterfenster für den geplanten Zeitraum Tag für Tag kleiner, so dass am Abreisetag überlegt werden musste, was wir von unserer eigentlich geplanten Bernina Überschreitung noch wagen können.

Wir entschieden uns erstmal nach Pontresina zu fahren und dort dann mit der Bahn zum Berghotel Diavolezza. Dort schauten wir, nach dem wie immer hervorragendem Essen, den Wetterbericht an. Von unserem Schön-Wetterfenster ist quasi nichts mehr übrig geblieben. Auch die sonst so gewaltige Aussicht von der Diavolezza war nicht vorhanden. Wie eine Mauer versperrte der Nebel die Sicht auf den Piz Palü. Starke Bewölkung, gelegentliche Auflockerungen und mögliche Schauer standen im Wetterbericht. Unschlüssig, was wir nun tun sollten, wollten wir die Nacht abwarten und dann am Morgen final entscheiden.

Am Morgen, besser gesagt am Vormittag, nach gefühlt endlosen hin und her überlegen, packten Helmut und Franz ihre Rucksäcke und fragten mich, ob ich Sie bis zum Gletscher hin begleiten möchte. Helmut wollte den Einstieg für eine zukünftig geplante Ostpfeiler Besteigung auskundschaften. Und da mich diese Tour auch interessierte und ich vom Rumsitzen und Überlegen genug hatte, begleitete ich die beiden. Umkehren konnten wir ja immer...

Im Nieselregen gingen wir Richtung Bergstation des Sessellifts. Am Sass Queder ging es rechts einem Pfad entlang. Diesen Pfad folgten wir, denn der neue Sommerweg auf den Piz Palü geht durch die Ostflanke des Piz Trovat bis zur Fuorcla Trovat und von dort gelangt man dann ohne Probleme auf den Pers Gletscher.

 

 

Auf einmal war das Ziel vor den Augen. Piz Palü, Bellavista und Piz Bernina

Auf dem Weg zum Gletscher hörte es zu regnen auf, sodass wir auf dem Gletscher stehend in eine unglaublichen Wolkenstimmung eintauchten. Wir entschieden uns, den geplanten Weg zum Ostpfeilereinstieg der Piz Palü Nordwand zu verfolgen. Erst ging es ziemlich flach den Gletscher querend, unterm Piz Cambrena entlang, dann mäßig steil zwischen großen Gletscherspalten dem Gletscherbruch und dem blauen Himmel entgegen. Es war schon eine gewaltige Szenerie die uns die Bergwelt dort lieferte. Am Einstieg angekommen, war das Wetter bereits so gut, dass wir überlegten, den Weg zumindest auf den Piz Palü Ostgipfel fortzusetzen. Gesagt getan. Nach kurzer Beratung stiegen weiter auf, das Gelände wurde steiler und die Spur windete sich im Zick Zack durch den Gletscherbruch. Anschließend legte sich der Gletscher deutlich zurück und wir konnten das gute Wetter geradezu riechen. Freude und eine erste Zuversicht machte sich breit. Nach einer weiteren ausgedehnten Bruchzone erreichten wir eine Einsattelung. Von hier ging es sehr ausgesetzt über einen steilen (ca.40°) Firnhang, der im Spätsommer schön öfter im Auf und Abstieg abgesichert werden muss und den anschließenden Firngrat zum Ostgipfel. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Bei Nieselregen und Nebel gestartet und jetzt bei Sonnenschein und riesigen Wolkenfetzen am Ostgipfel des Piz Palü. Wir diskutierten über die weitere Vorgehensweise. Aber schon nach kurzer Zeit stand fest, dass wir das Wetter ausnutzen wollten und so entschlossen wir uns, den Weg zur Marco E Rosa Hütte fortzusetzen. Wir informierten die zurückgebliebenen per Handy und gingen den schmalen Firngrat zum Hauptgipfel bzw. zum Westgipfel, auch Piz Spinas genannt.

Dort stiegen wir eine Firnflanke ab, die uns zum Beginn des Felsgrates führt. Dieser Felsgrat leitet uns zur Bellavista Terrasse. Am Beginn der Kletterei machten wir eine kurze Pause, bevor wir uns ans Kraxln machten. Auf dem Felsgrat erwarteten uns Kletterstellen bis zum oberen zweiten Grat die zwingend, ausgesetzt geklettert werden müssen. (UIAA II+). Wenn man am Grat bleibt, ist die Qualität des Felsens aber eigentlich recht gut.

Auf der Fuorcla Bellavista angekommen, zogen wir wieder die Steigeisen an und querten den Gletscher zur Bellavista Terrasse und weiter zum Rifugio Marco E Rosa. In einem stetigen auf und ab sprangen wir über Spalten und gingen an haushohe Eistürmen vorbei. In der Zwischenzeit wurde das Wetter wieder schlechter, die Sicht nur noch 20-30m, es begann zu graupeln, der Schnee weich und tief und vom blauen Himmel war nichts mehr zu sehen. Durch die gute Spur im immer weicher werdenden Schnee und die Nähe zur Hütte, die wir erst erkannten, als wir kurz davor standen, fanden wir den Weg zur rettenden Insel auf 3610m.

Marco E. Rosa Hütte

Durchgefroren und bisschen müde konnte ich mich erst auf der für Italienische Verhältnisse gut eingerichteten Hütte nicht recht aufwärmen. Aber trockene Kleidung und eine Daunenjacke halfen. Da wir noch ein wenig bis zum Abendessen hatten, versuchten wir unsere Schuhe mit Zeitungspapier so gut es geht zu trocknen. Wir prüften den Wetterbericht und gingen nochmal den Weg für die morgige Haupttour auf den Piz Bernina über den Spallagrat (Ostgrat) und den Abstieg über den Fortezzagrat durch. Mit einem Glas Wein beschlossen wir den ersten Tag.

Das Wetter sollte wie schon heute, morgen auch sehr bewölkt werden mit kurzzeitigen Auflockerungen. Wir hofften das Beste.

Nach einem gewohnt spartanischen Frühstück ging es direkt von der Hütte mit Steigeisen in nördlicher Richtung einen Firnhang aufwärts. Dieser mündet ziemlich steil (ca.40°) in die Felsen wo man an der einfachsten Stelle in den Fels austeigen sollte. Dort Gurt und Karabiner anlegen und ran an die ersten Kletterstellen. Die ausgesetzte, erste Seillänge ist im zweiten Grad mit Seil deutlich angenehmer. Schon steht man auf dem Ostgrat des Piz Bernina. Dieser Ostgrat führt recht luftig und ausgesetzt immer Fels und Firn abwechselnd über mehrere Felstürme (max. III-) und schmalen Firnschneiden auf den höchsten Ostalpengipfel. (Bohrhaken an den wichtigen Stellen vorhanden) Durch die Ausaperung werden die Felspassagen leider immer mehr. Bis auf zwei oder drei Stellen, je nach Können, aber alles ohne Seil kletterbar.

Nach dem kurzen Aufenthalt auf dem schmucklosen Gipfel des Piz Bernina 4049m und ein paar Fotos ging es wieder an den Abstieg. Der Abstieg erfolgt auf der gleichen Route über den Ostgrat. Durch die vorhandenen Bohrhaken geht das mit dem Abseilen recht gut. Schon nach kurzer Zeit sehen wir die Marco E Rosa Hütte auf 3610m, die wir rechts liegen ließen und schon steuerten auf die Bellavista Terrasse zu. Dort wollen wir den Abstieg über den Fortezzagrat anschließen, um auf der gegenüberliegenden Seite des Pers Gletschers zur Diavolezza aufzusteigen zu können.

Die letzten Meter zum Höchsten der gesamten Ostalpen. Der Grat links der Mitte ist der obere Biancograt.

Auf der Bellavista Terrasse konnten wir dank der vorhandenen Spur im ständigen Auf und Ab und über dünne Spaltenbrücken den richtigen Weg zum Fortezzagrat finden. Nach einen Felssturz am Fortezzagrat im letzten Jahr, ist die neu eingerichtete Route, wieder problemlos zu meistern. Trotzdem verlangt der Grat den zweiten Grat (UIAA II). Der Abstieg am Fortezzagrat ist ausreichend markiert und mit den eingerichteten Abseilstellen (4x) gut zu bewältigen. Weiter absteigend, erreicht man einen Schneehang und am Ende einen Sattel. Am Sattel steigt man auf Gletscherschliffplatten Richtung Nord-Ost auf den Pers Gletscher ab.

Dann die Richtung beibehaltend, zur nördlichen Randmoräne. Der Einstieg in den Weg zur Diavolezza liegt genau unterhalb des weit sichtbaren Diavolezza Berghauses und ist unscheinbar mit einer Stange markiert.

Auf der Diavolezza angekommen, fuhren wir mit der Bahn ins Tal.

Fazit:

Eine Tour die seines Gleichen sucht. Moderate Schwierigkeiten bei der Piz Palü Überschreitung und am Ostgrat zum Piz Bernina, die aber doch den kompletten Bergsteiger fordert. Es sollte unbedingt auf stabiles Wetter geachtet werden, denn auf der Bellavista Terrasse kommt man bei Nebel oder schlechter Sicht ohne Spur furchtbar schnell in Schwierigkeiten.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0