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Hochtourentage im Wallis - Nadelhorn - Ulrichshorn - Dom - Lagginhorn

Teilnehmer: Robert, Elke, Andreas, später dann Claudia

Gipfel:

Nadelhorn 4327m            - 40° und UIAA II am Gipfelaufbau

Ulrichshorn 3925m         - 35° - 40°

Dom 4545m                     - 45° und UIAA III am Festijoch

Lagginhorn 4010m          - 40° und UIAA II- am Westgrat

 


„Endlich wieder Schweiz“ hieß es am 29.07.2018. Wir fuhren mit einem Bus vom Intersport Strohhammer ins Wallis. Auf dem Wunschzettel standen einige großartige Touren. Wenn das Wetter mitspielt…

 

Nicht erst am Parkplatz in Saas Fee, wo wir wahnsinnige Standplatzpreise zahlen mussten merkten wir, dass wir in der Schweiz angelangt sind. Aber was nimmt man nicht alles in Kauf für das großartige Gefühl auf einem schönen, hohen Gipfel zu stehen. 


Nadelhorn 4327m und Ulrichshorn 3925m

 

 

 

Unser erstes Ziel sollte das Nadelhorn sein. Wir fuhren mit der Hannig Bahn die ersten Höhenmeter Richtung Hannigalp auf ca. 2350m. Dann ging es endgültig zu Fuß weiter Richtung Mischabelhütte. Dieser Hüttenaufstieg hatte es aber in sich. In den Ostalpen wäre es eine ausgewachsene, eigenständige Tour. Hier nur ein abwechslungsreicher und interessanter Hüttenzustieg.

 

Eine kleine Übersicht der Runde, ohne jeglichen Maßstab!

Von der Bergstation Hannig quert man erst die Hänge unterhalb des Tällihorn und Oberen Distelhorn bis zur Schönegge. Hier beginnt der Weg steil anzusteigen und führt, teils über Leitern und Klettersteigstellen B/C und ausgesetzte Passagen, hoch zur Hütte. Dort angekommen, aber auch schon auf dem gesamten Hüttenzustieg bietet sich ein unglaubliches Panorama. Allalinhorn, Alphubel, Dom, Täschhorn und einige andere mehr…

Hinter der Hütte führt eine schwach erkennbare Spur direkt über die Felsrippe im Geröll empor bis auf eine Höhe von rund 3560 Metern. Dort, wo das höhere, flachere Plateau des Hohbalmgletschers erreicht wird, betritt man diesen und steigt bis ins Windjoch (3845 m). Auf dem Weg ins Windjoch, kann man ganz ehrfürchtig die Nordwand von der Lenzspitze bestaunen. Der Hohbalmgletscher ist flach aber doch recht spaltenreich. Erst kurz vor dem Windjoch steilt die Route auf. Vom Windjoch führt der Firngrat wie eine Himmelsleiter bis zum Felsaufbau des Gipfels. Einmal auf dem Grat, fällt der Riedgletscher nordwärts steil ab, während die Route selbst erst in mäßiger Steigung bergauf führt. Besonders bei blanken Verhältnissen in Kombination mit eisigem Wind kann der Grat anspruchsvoller werden, als gemeinhin auf einer WS-Tour zu erwarten ist. Den felsigen Gipfelaufbau überwindet man in einer teils ausgesetzten Kletterei UIAA II, wobei Zacken gute Sicherungsmöglichkeiten bieten. Am Gipfel selbst, auf dem ein kleines Kreuz steht, kann sich gerade mal ein Bergsteiger aufhalten. Toller Rundumblick auf die Walliser Gipfelprominenz und besonders die Nordflanke vom Dom sind inclusive.

Der Abstieg geht auf der gleichen Route zurück zum Windjoch. Dort kann man bei guter Fitness noch einen „kleinen“ 3925m hohen Gipfel mitnehmen, das Ulrichshorn. Meist geht man im Firn mäßig steil bis zum Gipfel. Von dort hat man eine unglaubliche Aussicht auf Lenzspitze Nordwand und Nadelhorn bzw. Nadelgrat. Anschließend geht’s zum Windjoch und über den Hohbalmgletscher zurück zur Mischabelhütte. Von dort dann wieder zurück ins Tal.

Zurück am Bus genossen wir erst einmal, nach ca. 2500 Höhenmeter Abstieg, ein kühles Bierchen aus der Kühltruhe. Toll, so ein Luxus! Nachdem wir unsere Lebensgeister wieder erweckt hatten, wollten wir das Tal wechseln. Wir packten unsere Rucksäcke in den Bus und fuhren zurück Richtung Stalden. Dort bogen wir ins Zermatter Tal ab. Wir wollten bis Randa fahren und dort am Campingplatz einige Tage nächtigen.

 

 

Der kleine, toll gelegene Platz ist perfekt für Bergsteiger, die in der doch recht teuren Schweiz eine günstigere Alternative suchen. Die Sanitären Anlagen sind in Ordnung und die Preise im Kiosk passen (für Schweizer Verhältnisse). Am Abend wollten wir beim gemütlichen Grillen die nächsten Tage planen. Elke und Andi wollten sich zwei Tage Pause gönnen und einen Tag in Zermatt genießen. 


Dom 4545m

 

Robert und ich einen kleinen 4000er draufsetzen. Das Ziel hieß Dom. Das bedeutete für uns, morgen wieder einen harten Hüttenzustieg und am Folgetag einen langen Tourentag mit 1600 Höhenmeter Aufstieg und 3200 Höhenmeter im Abstieg. Aber rein nach dem Motto, „Nur die Harten kommen in den Garten“ wollen wir es nach den heutigen 2500 Abstiegs-Höhenmetern probieren.

„Der Dom (4545m) ist der höchste ganz in der Schweiz gelegene Berg. Der Normalweg auf den Dom verläuft überwiegend wenig schwierig über Gletscher, wird aber durch einen steilen Felsanstieg im Mittelteil der Tour und den ausgesetzten Gipfelgrat alpinistisch herausfordernd. Am höchsten Punkt bietet sich ein atemberaubendes Panorama auf das nahe Matterhorn, das Weißhorn, das Monte Rosa Massiv und den Mont Blanc. Der Dom ist ein begehrtes Hochtourenziel, doch erarbeiten muss es sich der Aspirant komplett aus eigener Kraft – Seilbahnen stehen in weiter Ferne! So bleibt man auf der freundlichen Domhütte unter sich und kann sich den Freuden hochalpiner Landschaft in Gänze hingeben.“ So zumindest steht es im Führer…

 

 

 

Eine kleine Übersicht der Runde, ohne jeglichen Maßstab!

Am Morgen, nach dem gemeinsamen Frühstück fuhr uns Andi mit dem Bus nach Randa Dorf. Vom Bahnhof in Randa steigen wir durch das idyllische Dorf immer der Beschilderung zur Domhütte bzw. Europahütte folgend zum obersten Dorfrand. Es war heiß, und der südseitige Anstieg versprach wenig Schatten. Der schmale Steig führt zunächst durch Wiesen, dann durch lichten Bergwald in vielen Kehren und recht steil ansteigend bis zu einer Abzweigung zur nahe liegenden Europahütte (5 Minuten Umweg). Anschließend steigen wir noch einige Serpentinen weiter bergan, bis der Weg um einiges steiler und deutlich anspruchsvoller wird. Auch die gestrige Besteigung des Nadelhorns mit Abstieg ins Tal steckt uns noch spürbar in den Knochen. Deshalb und auch wegen der in den Hang brennende Sonne müssen wir schon gscheid beißen. Es geht nun durch felsiges und stellenweise exponiertes Gelände, wobei Drahtseile, Eisenstifte und eine Leiter das Weiterkommen erleichtern. Am Ende der Schwierigkeiten erreichen wir völlig erschöpft die Domhütte in 2940 Metern Höhe. Die freundlichen Mädels auf der Hütte zauberten uns ein tolles Abendessen und lassen uns den mühsamen Aufstieg vergessen. Kurz wird noch ein Plan für die morgige Besteigung des Doms zusammengestellt. Welche Route wir wählen werden, wollen wir erst im Festijoch entscheiden. Laut des Hüttenpersonals ist der Aufstieg über den gespurten Gletscher der Nordflanke zu bevorzugen, denn der Festigrat ist ungespurt und der Schnee tief. Aber mal schauen. Bis zum Festijoch ist der Weg gleich, somit können wir uns mit der Entscheidung noch Zeit lassen.

Um 2:30 Uhr morgens geht in der Hütte das Licht an! Um 3:00 Uhr folgt ein kurzes Frühstück bevor man im Dunkeln im Schein der Stirnlampe losstapft. Es ist warm und der Himmel bewölkt. Der Pfad zieht zunächst in vielen Serpentinen auf einen Moränenrücken. Mühsam ist es im Schein der Stirnlampe den richtigen Steig zu finden. Robert ist schon seit dem Start an der Hütte langsam und hängt nach und wir können unser gewohntes Tempo nicht halten. Wir gehen langsamer und versuchen das langsamere Tempo zu halten. Es dauert nicht lange, dann holen uns schon die ersten ein. Die Wegfindung wird durch Steinmännchen erleichtert, allerdings gibt es verschiedene mehr oder weniger zügige Varianten. Irgendwann kurz vor dem Gletscher, etwa auf 3200m stoppt mich Robert. Er meint, dass er heute nicht gut drauf ist, er kommt nicht auf Touren und das er es nicht auf den Gipfel schaffen könnte…Ein wenig ratlos wende ich mich Talwärts und steige zu Ihm die 10 Meter ab. Versuche ihn mit ein paar Worten aufzubauen und ihn doch noch zum Weitergehen anzustacheln. Aber er meint, wenn ich mich beeile, könnte ich die beiden starken Stuttgarter erreichen, die uns vorhin überholt haben und mit denen mitgehen. Nach einer kurzen Diskussion entscheiden wir uns zur Trennung. Er würde abstiegen und auf der Domhütte auf mich warten, während ich versuche die beiden Stuttgarter vor dem Gletscher einzuholen. Mit gemischten Gefühlen steige ich weiter an und gebe Gas. Zum Glück hatten sich die beiden Stuttgarter verstiegen und so konnte ich sie schon nach einem kurzem Stück Aufstieg fragen, ob sich mich in Ihre Seilschaft aufnehmen. Echt froh, dass mein Aufstieg zum Dom nicht zum Ende ist, steigen wir zu dritt Richtung Gletscher. Wir stiegen am linken Rand des Festigletschers auf, bis man in einer Höhe zwischen 3300m und 3400m den Gletscher betritt. Am Gletscher angekommen, richten wir uns zur Seilschaft her und zogen unsere Steigeisen an. Den Spalten ausweichend steigt man weiter ostwärts bis unterhalb des Festijochs. Bis hierher ist das ganze recht einfach und wir kommen zügig weiter. Am Festijoch sucht man sich die einfachste, geeignetste Stelle und steigt in die sehr steile Felsflanke ein (mitunter heikel!). Roter bröseliger und nirgends ein richtig fester Stein. Gar nicht schön zu klettern. Aber wir drei sind uns sicher, die ca. 90m ohne Seil klettern zu wollen. Kletterei im oberen zweiten Grat mit Steigeisen an den Füßen führt uns ziemlich exponiert in das Festijoch. Einige Bohrhaken würden eine Sicherung aufwärts und das Abseilen auf dem Rückweg ermöglichen. Aber es ging schneller als ich dachte. Habe anscheinend einen Sahnetag erwischt.

Im Festijoch angekommen, wollten meine beiden Begleiter eigentlich den Festigrat auf den Gipfel klettern. Wie aber schon von den Hüttenleuten vermutet, war der Schnee im Einstieg zum Festigrat Knie- bis Hüfttief. Bei diesen Bedingungen würden wir unseren Plan vom Gipfel nicht halten können. Allein schon wegen dem Wetterbericht, der für den Nachmittag Gewittergefahr ausgegeben hatte, sollten wir den schnellsten Weg wählen. Wir entschieden uns dann nach kurzer Beratung für den gespurten Normalweg über die Nordflanke.

Vom Festijoch steigen wir Richtung Norden steil über die Randkluft des Hohberggletschers hinab auf den Gletscher. Dort müssen wir wenige Meter weiter absteigen und über einen Lawinenkegel der Seraczone einqueren. Schon gewaltig, dieser Eisbruch. Die Bewölkung am Himmel bleibt gleich stark aber ein bisschen Wind kommt auf. Wir beschließen aufmerksam zu bleiben.

Auf dem Gletscher zieht die Spur wieder ansteigend in einem weiten Rechtsbogen über spaltenreiches Gelände in Richtung des Lenzjoches. Kurz vor dem Erreichen des Joches zweigt man nach rechts (südlich) ab und gewinnt nun über die immer steiler werdende Nordwestflanke des Doms zügig an Höhe. Der Himmel ist jetzt komplett zu und die Sicht wird weniger. Ohne Spur wären wir in dieser riesigen Nordwestflanke aufgeschmissen. Wir wollen es noch ein wenig weiter versuchen und uns die weitere Wetterentwicklung anschauen. Auf ca. 4300m fängt es zu Graupeln an. Wie kleine Styroporkugel rieseln die Graupelkörner den Steilen Gletscher herunter und sammeln sich in der Spur. Aber wir wollen weiter. Wir erkennen keine Anzeichen von Gewitter, deshalb klettern wir die letzten steilen Passagen nach oben. Im White Out steilt sich das Gelände merklich auf. Das muss der Gipfelaufbau sein. Dieser gebietet normalerweise mit einem exponierten Steilaufschwung (ca. 45°) nochmals Respekt und Aufmerksamkeit, aber wenn man nichts sieht, ist es halb so wild und man steht nach wenigen Metern am höchsten Punkt des Doms. Das Gipfelkreuz des Dom steht wenige Meter versetzt und ist nur durch einen messerscharfen Grat zu erreichen. Wir klettern abwechselnd für ein Foto die letzten Meter zum Gipfel. Keine Aussicht, keine Gipfelschau, wenig Freude, aber es hilft nicht. Ein kurzer Handschlag, eine Umarmung aber bei diesem Wetter wollen wir so schnell wie möglich runter. Wir nehmen wir unsere Beine in die Hand und steigen in der noch vorhandenen Spur bergab Richtung Festijoch.

Kurz vor dem Festijoch klarte es wieder auf und wir stehen am Joch in der Sonne. Nach einer kleinen Pause richteten wir das Seil zum Abseilen her und seilten die ca. 90m zum Festigletscher ab. Mittlerweile ist es schon gut nach Mittag und der Festigletscher ist schon ziemlich weich. Das machte den Abstieg zur Domhütte nicht einfacher. Aber irgendwann hat jeder Gletscherhatsch ein Ende. Kurz die Steigeisen runter, Ausrüstung in den Rucksack und weiter runter zur Hütte.

Auf der Hütte angekommen, erwartete mich schon Robert. Dem ging es mittlerweile schon besser und wir konnten den restlichen Abstieg gemeinsam zum Campingplatz in Randa machen. Nach 1600Hm Aufstieg unglaublichen 3179 Höhenmetern Abstieg sitze ich im Klappstuhl mit einem alkoholfreien Weißbier! Völlig platt und glücklich!

Fazit:

Eine gewaltige Unternehmung diese Tour auf den Dom. Ohne Hilfe von Bahnen oder Gondeln muss man sich den Gipfel schon echt verdienen. Kein einfacher Hüttenzustieg und eine fordernde Westalpentour! Nicht nur die Höhenmeterleistung ist immens, sondern auch der obere zweite Grat (UIAA II+) muss unbedingt im brüchigem Felsteil kurz vor dem Festijoch beherrscht werden. Dieser Teil wird mit dem Gletscherrückgang auch jedes Jahr höher und mehr. Mir persönlich tat es um Robert leid, der nicht wie ich einen Sahnetag erwischt hatte und abbrechen musste. Ob es jetzt an den vorherigen Tagen gelegen ist, dass der Körper eine Pause brauchte oder ob er sich den Magen beim Essen verdorben hatte, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall will ich mit Ihm nochmal her. Vielleicht dann auch über den Festigrat.

 

An nächsten Tag sind meine Füße nicht bereit für eine Bergtour. Robert und ich beschließen heute mit dem Zug nach Zermatt zu fahren. Dort wollen wir die Stimmung genießen, ein wenig shoppen und unsere Wunden lecken…

Elke, Andi und die Claudia sind heute auf Tour. Die wollen heute das Allalinhorn besteigen. Da ich da schon mal im Winter von der Britannia Hütte aus oben war, lehnte ich auch wegen meinen Beinen dankend ab. Wir wünschten den dreien alles Gute und eine schöne Tour und gingen zum Bahnhof in Täsch…

 

Abends trafen wir uns wieder auf unserem Campingplatz. Bei einem gemeinsamen Abendessen besprachen wir den folgenden Tag. Da sich meine Beine wieder besser anfühlten war ich wieder bereit für den Berg.


Lagginhorn 4010m

 

Wir überlegt ein wenig was wir noch machen können und schlussendlich fiel die Entscheidung auf das Lagginhorn. Andi, Robert und ich wollten morgen früh mit den Bus ins Saastal fahren und dort mit der Bahn nach Hochsaas rauffahren. Von dort geht der Weg Richtung Westgrat, über den wir auf den Gipfel steigen wollten.

Laut Führer ist dieser Berg ohne große Schwierigkeiten mit Bahnhilfe an einem Tag zu machen. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit über die wunderschön gelegenen, echt empfehlenswerten Weissmieshütten 2726m oder über das Hochsaashaus auf 3098m das Lagginhorn zu besteigen. Aber wir haben leider nur noch einen Tag hier im Walis, und da bietet sich diese Bahnalternative an. 

 

Eine kleine Übersicht der Runde, ohne jeglichen Maßstab!

Wir fuhren also von Saas Grund mit der Hochsaas Bergbahn auf 3142m. Von dort geht es zunächst auf einem Pistenweg absteigend in Richtung Lagginhorn bis zu einer Abzweigung in der zweiten Kurve unterhalb des Hohlaubgletschers. Dort folgen wir einem Steig über ein Schutt- bzw. Firnfeld zum ersten Felsaufschwung, welcher mit Drahtseilen gesichert ist. Ohne weiteren Höhenverlust geht es in leichter Kletterei (UIIA I+) zum Laggingletscher. Diesen recht spaltenarmen Gletscher queren wir diagonal bis in die nördliche Ausbuchtung am oberen Ende des Eisfeldes und steigen auf 3350m nach links (Westen) zu einem großen Geröllfeld. Tolles Wetter heute. Ganz anders als zuvor bei meiner Dom Besteigung. Vom Geröllfeld steigen wir etwa 100Hm durch große Blöcke auf und gelangen dann schließlich auf den Westgrat des Lagginhorns (3540m), der uns zum Gipfel leiten sollte. Heute sind wir alle drei gut drauf und es macht richtig Spaß die leichte Kletterei im meist festen Fels. Dort am Westgrat trifft man dann im 40 Grad steilen Gelände oft auf vereiste Firnfelder, die Steigeisen und Eispickel (sowie den sicheren Umgang damit) erforderlich machen. In leichter Kletterei (UIAA I-II) geht es bis auf etwa 3.800 m. Nach der Durchschreitung oder Umgehung der Altschneefelder ist der Lagginhorn-Gipfel nur wenige Höhenmeter entfernt. Noch einige letzte Meter Blockkletterei und wir erreichen den kleinen felsigen Gipfelbereich. An schönen Tagen wie heute, an denen viele Gipfelstürmer unterwegs sind, kommt es am höchsten Punkt des Berges mitunter zu Warteschlangen. Der Aufstieg macht sich mit der grandiosen Aussicht auf das Saastal und seinen vielen Viertausendern bezahlt. Freudig geben wir uns die Hände.

Nach dem obligatorischen Gipfelfoto machen wir uns an den Abstieg. Am liebsten würde ich diesen Ort nicht mehr verlassen, man wird gar nicht satt bei dem Ausblick, der sich einem hier bietet. Der Rückweg erfolgt auf der gleichen Route und erfordert im Bereich des Grates wieder eine gewisse Konzentration und Trittsicherheit. Aber bald ist der Gletscher erreicht und die letzten Kletterstellen überwunden. Bei der Bergstation der Hochsaas Bahn machen wir nochmal eine kleine Pause bevor wir ins Tal schweben.

 

Fazit: Das Lagginhorn ist einer der kleinsten 4000er und bestimmt einer der vielleicht am meisten unterschätzten 4000ern im Saastal. Dieser Berg gilt als keine besonders große alpinistische Herausforderung – dennoch ist es, nach dem Matterhorn, der Berg mit den meisten tödlichen Unfällen in der Region. Durch das Abschmelzen der Firnfelder im oberen Bereich bleibt viel lockeres und bröseliges Gestein übrig. Deshalb ist es ratsam diese Bereiche mit äußerster Vorsicht zu begehen. Wir hatten mit der Lagginhorn Besteigung eine Genusstour mit perfekten Bergwetter zum Abschluss unserer Tage hier im Wallis.

 

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