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Ortler 3905m über Pleishorngrat

Ortler über die Berglhütte

Teilnehmer: Robert, Peter

Gipfel: Ortler über Pleishorngrat (Meraner Weg)

Schwierigkeit: 45° und Stellen UIAA III im Fels

 

Der Ortler stand schon lange auf meiner Langen To-Do Liste. Deshalb freute ich mich, als ich zu meinem Geburtstag von Robert diese Tour geschenkt bekommen habe. Ich wollte den Ortler aber nicht über den Normalweg besteigen, sondern über eine selten und weitgehend unbekannte Route besteigen. Den Pleishorngrat. Diese alte, faszinierende Route über den Westgrat mit Aufstieg von Trafoi und via Berglhütte, wurde 2004 saniert und durch Anbringung von Drahtseilen in den Schlüsselstellen entschärft. Die Tour bleibt aber trotzdem recht anspruchsvoll und ist nur für den erfahrenen, konditionsstarken Bergsteiger zu empfehlen. Zu Robert gesellte sich noch Peter, ein langjähriger Bergfreund den ich sehr schätze.

Zu dritt fuhren wir also am Samstag über den Reschenpass ins schöne Vinschgau auf die Stilfserjochstraße nach Trafoi auf 1564m und weiter zu den Hl. Drei Brunnen auf 1605m. Dort parkten wir und machten uns auf den Zustieg zur Hütte. Vom Parkplatz auf 1600m erreichen wir nach Überquerung der Brücke die zauberhafte Wallfahrtsstätte der Hl. Drei Brunnen. Gleich hinter der Kapelle führt der gut angelegte, steile Steig durch den Wald hoch zur Berglhütte auf 2188m. Es ist heiß und somit tropft uns schon nach kurzer Zeit der Schweiß von der Stirn.

An der Hütte angekommen, empfang und der Hüttenwirt freundlich. Er war gerade beim Holzhacken und so konnten wir uns in der urigen Hütte selbst bedienen. Gerne nahmen wir das Angebot an.

Der Hüttenwirt war erst vor kurzem auf die Hütte gekommen und wollte ein neues Hüttenkonzept durchsetzen. Er hatte vor, dass nichts einen festen Preis hatte. Jeder Hüttenbesucher bzw. Bergsteiger sollte das zahlen, was es ihm wert ist.

 

 

 

Peter und Robert vor der Berglhütte.

Ich finde ein tolles Konzept und hoffe, dass er damit den Erfolg hat, den er sich vorstellt. Da es auf der Hütte nur begrenzt Strom gab, der zum Kochen benötigt wurde, stellen wir uns Kerzen auf den Tisch. Im Kerzenlicht essen wir unser Abendessen und genossen den Vinschgauer Wein. Neben uns auf der Hütte, waren nur zwei Italiener, die die gleiche Tour machen wollten. Da wir für unser morgiges Projekt recht früh aufbrechen wollten ging es bald in die Schlafsäcke.

Am frühen Morgen hatten ein kurzes und spartanisches Frühstück. Robert ging es schlecht, er wollte nicht mit und blieb auf der Hütte. Also stiegen Peter und ich von der Hütte östlich dem Steig Nr.18 folgend ca. 10 Minuten bis zur Abzweigung "Meranerweg" aufwärts. Der Abzweig ist mit 2 kleinen Steinmännchen markiert. Wir steigen zunächst in Serpentinen über einen schottigen Hang hoch und steigen dann unterhalb einer Felswand nach rechts (südwestlich) in Richtung Grat auf. Das Gelände ist hier nicht besonders anspruchsvoll und man steigt hier meistens noch im Finstern auf. Vorsicht ist wegen evtl. Steinschlag geboten, der meist von vorgehenden Bergsteigern verursacht wird. Wir finden immer wieder Steigspuren bzw. Markierungen an den Felsen. Dennoch ist die Wegfindung in der Nacht nicht leicht.

Nach Überquerung einer etwas ausgesetzten Passage am Grat auf der NO-Seite (links) kommen wir bald zur ersten gesicherten Stelle (Drahtseil). Kurz davor sagte Peter zu mir, dass er sich heute nicht wohl beim Klettern fühlte und er wolle umdrehen. Ich wollte aber versuchen, die beiden Italiener zu erreichen, die uns vorher überholt hatten. Vielleicht kann ich mit denen mitgehen. Es folgen recht angenehme, ungesicherte Passagen, die stellenweise etwas Vorsicht verlangen. Ich erhöhte mein Tempo und nach kurzer Zeit hatte ich die beiden Italiener eingeholt. Ich schilderte Ihnen mein Problem und sie nahmen mich in Ihre Seilschaft auf.

Gemeinsam stiegen wir weiter. Dabei wechselt man vom Grat auf die Westseite wo ein sanfter breiter Hang in Richtung Pleisshorn hochzieht und von wo wir einen tollen Blick zum Stilfserjoch und zur reizenden Kette der Gletscherberge, die von den Madatsch Spitzen über Trafoier Eiswand und Thurwieser bis zum Ortlerpass hin genießen können.

Trafoier Eiswand, Thurwieser Spitze und ganz rechts das Skigebiet des Stilfser Jochs.

Urig, wild aber doch sehr einladend. An einem markanten Felsen am Pleisshorn, erinnert eine Marmor Gedenktafel an die Entstehung der Route. Gleich links davon finden wir den letzten neu gesicherten Abschnitt (Achtung Steinschlag!) der uns über eine sonst recht heikle Flanke hinauf führt. Am Grat weiter kommen wir zu einer Schlüsselstelle, eine Verengung wo wir nach Abstieg von ein paar Metern über eine Leiter und eine kurze Passage mit Drahtseilen hoch müssen. Danach folgt ein offener, breiter Moränenhang, der uns erstmals den Blick zum Gletscher frei gibt. Wir steigen problemlos über steiniges Gelände hoch bis am Fuße des Oberen Ortlerferners (ca. 3400m) wo wir die Steigeisen anziehen. Die vor uns liegende Steilstufe (40-45°) ist bei uns mit einer dünnen Schicht Firn belegt und somit können wir ohne Sicherung aufsteigen. Es folgt ein recht fein gestuftes Gletschergelände. Zunächst rechts ganz nahe am Grat, dann nach links über eine letzte etwas steilere Stufe erreichen wir das obere Ortler Plateau und kommen auf den Normalweg. Von hier geht's in angenehmer Steigung hoch zum Gipfel. Endlich auf dem Ortler, leider nicht so wie geplant mit meinen Freunden. 3905m. Ich dankte den beiden Italienern und wir gaben uns die Hände. Wir genossen die Aussicht und eine unglaubliche Fernsicht. Nach ein paar Fotos machten wir den Gipfel für die unzähligen Normalweg-Bergsteiger frei.

Bezüglich des Abstiegs hatten wir drei den gleichen Plan. Wir wollten über den Normalweg via Lombardi Biwak 3233m und Payerhütte 3029m absteigen. Dieser ist leichter und mit der Spur schneller zu bewältigen als der Pleishorngrat zurück, was aber generell gesehen auch machbar wäre.

Peter und Robert schrieben mir über Whats app, dass Sie auf mich auf der Payerhütte warten würden. Es war echt schön, von den beiden zu hören und zu wissen, dass es Ihnen gut geht.

Wir schnappten uns unser Seil, und gingen in einer ausgetretenen Spur den Gletscher runter. Wir wollen nicht zu viel Zeit verlieren – denn wir wissen, dass uns noch ein größerer Stau bevorsteht. als der am Fernpass...

Links die Zufallspitze und Monte Cevedale. In Bildmitte die grandiose Königsspitze und im Vordergrund der Monte Zebru.

Der Gletscher bereitet uns keine Probleme, die Spaltenbrücken halten und die Spur ist von den vielen Bergführer Seilschaften gut ausgetreten. Aber am Tschierfeckwandl 3150m gab es einen ordentlichen Stau. Wir verloren bestimmt eine dreiviertel Stunde. Viele Seilschaften müssen dort einzeln abseilen und benötigen hierfür sehr viel Zeit. Die Wartezeit nutzten wir um uns vorzubereiten. Wir wollten effektiv und schnell sein, dass ja dann auch gut geklappt. Wir schließen uns mit einer Bergführer Seilschaft zusammen, indem wir dem vor uns abseilenden Bergführer unser Seil mitgeben. Wir können dafür Ihr Seil nutzen, dass wir wiederum nach unserem Abseilvorgang wieder zurückbringen. Effektiv und schnell! Toll, dass „meine beiden Italiener“ mit dem Italienischen Bergführer gut kommunizieren können. Auch nach dieser letzten Steilstufe folgen wir dem Aufstiegsweg, müssen uns aber nochmals ordentlich konzentrieren, denn auch wenn die Hauptschwierigkeiten hinter uns liegen, gibt es ausreichend Stellen, an denen Ausrutscher fatal wären. Aber irgendwann ist die Payerhütte erreicht und ich treffe Robert und Peter wieder. Die beiden sitzen gerade gemütlich auf der Sonnenterrasse und genießen das eine oder andere Bierchen.

Spalten am Normalweg Abstieg

Ich verabschiede mich von meinen beiden italienischen Begleitern und wir machen uns an den Abstieg zur Berglhütte. Von de Berglhütte und einem kurzen Getränk geht’s dann wieder zum Parkplatz Hl. Drei Brunnen.

 

Fazit: Eine gewaltige Unternehmung diese Ortler Überschreitung. Dieser Pleishorngrat ist eine tolle Alternative und bestimmt nicht so überlaufen wir der Normalweg und der Hintergrat. Es bedarf einer guten Kondition und gewissen bergsteigerischen Kenntnissen im brüchigem Fels. Die Schwierigkeit überschreitet nicht den dritten Grat (UIAA III) Alles was schwieriger ist, wurde bei der Sanierung 2004 mit Seilen oder Leitern entschärft.

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