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Solo-Silvester-Marathon

 

31.12.2021

42,195km

03:49:40h

 

 

Die Idee zu diesem „Event“ entstand aus einer Schnapsidee heraus. Normalerweise, wenn Wettkämpfe stattfinden, suche ich mir bei einem drohenden Motivationstief einen Wettkampf und schon kommt nach und nach die Motivation von ganz alleine wieder zurück. Aber heuer ist es anders, durch Corona sind die Herbst Wettkämpfe sehr dünn gesät, beziehungsweise die meisten finden nicht statt. Auch durch den frühen Wintereinbruch im Gebirge wurde mir von heute auf morgen ein Trainingsbereich genommen. Zu viel Schnee für einen Traillauf aber zu wenig Schnee abseits der Pisten für eine Skitour. Also musste was anderes her…

Schon war die Idee zum ersten Stetten Marathon gefallen, und was gäbe es für ein besseres Datum dafür als Silvester. Einen besseren Jahresausklang kann es gar nicht geben, mal von einer gescheiten Bergtour abgesehen. 

Perfekte Bedingungen.

Am Sonntag, den 14.11.2021 fiel der Startschuss. Knapp sechs Wochen blieben mir für die Vorbereitung. Unter normalen Voraussetzungen würde das nicht für eine Marathon Vorbereitung reichen aber zum einen starte ich starte nicht von Null und zum anderen brauche ich keine Spitzenzeit. Ziel würde eine lockere Sub 4 sein und wenn ich das schaffe, bin ich damit sehr zufrieden. Es sollte ja in erster Linie ein Training sein, um aus einem vermeintlichen sportlichen Tief herauszukommen und mich für die Skihochtourensaison vorzubereiten.

 

Kaum hatte ich den Startschuss für die Vorbereitung gegeben, erwischte mich schon eine Erkältung, die mich eine ganze Woche komplett außer Gefecht setzte. Nix geht über einen guten Start, dachte ich mir!

Nach der tagelangen Ruhepause, in der ich nur ein wenig Rumpfstabbi machte, geriet mein Ziel vom Kopf her in unerreichbare Ferne. Als ich wieder startete, hatte ich zum Glück fast nichts von meinem Leistungsvermögen eingebüßt. Die negativen Gedanken lief ich wieder weg und die Zuversicht wuchs wieder von Tag zu Tag. Teilweise bei widrigsten Bedingungen auf rutschigem Schnee, im Schneetreiben oder Regen absolvierte ich meine Einheiten. Die längeren Läufe verband ich meistens mit den Familienfeiern, zu denen ich mit Umwegen hinlief. 

Perfektes Wetter.

Alles schien planmäßig zu laufen. Den letzten Lauf am 27.12.2021 machte ich gut 20 Kilometer im geplanten Wettkampftempo. Am 30.12.2021, also einen Tag vor dem großen Tag spitzte ich meine Beinmuskulatur noch einmal mit kurzen Sprints an um am Tag darauf die nötige Spritzigkeit in den Beinen zu haben.

 

Pünktlich um 9:00 Uhr stand ich an der Startlinie vorm Haus, gab meine Wunschliste für den Verpflegungsstand bei Start und Ziel an meine Mädels durch und lief los. Bei bestem Laufwetter mit strahlendem Sonnenschein und Frühlingstemperaturen lief ich die erst Runde voll nach Plan mit einer Pace von 05:12 durch Start und Ziel. Völlig überraschend war da die Party voll im Gange. Meine ganze Familie machte einen Frühschoppen und feuerte mich an. So sehr ich mich über die Unterstützung am Verpflegungsstand freute, aber mir blitzartig leuchtet ein, dass es jetzt kein Zurück mehr für mich gab. Jetzt musste ich die 42 Kilometer auch beenden, denn diese Blamage wollte ich mir nicht geben.

Start in die zweite Runde. Kurz nach Start und Ziel.

Der Verpflegungsstand war mit Cola, Bananen, Äpfel und Tee wunderbar ausgestattet. Ich nahm einen Schluck Tee und ein Stück Banane und ging in die zweite Runde. Diese zweite Runde absolvierte ich mit einer Pace von 05:13. Es lief irgendwie schon fast ein wenig zu perfekt. In der dritten Runde hatte ich aber schon einige Probleme, musste einmal bei Kilometer 28 ein Bein ausschütteln und konnte so einen drohenden Krampf verhindern. Wieder einmal bei Start und Ziel musste ich mich erst einmal hinsetzen. Denn diese Runde hatte ich wieder in einer akzeptablen Zeit mit einer Pace von 05:18 absolviert. Ich schnappte mir ein Red Bull und einen Schluck Cola und startete langsam in die vierte und letzte Runde. Ich war schon ein wenig angeschlagen und ahnte irgendwie jetzt schon, dass die letzte Runde nicht besonders rund laufen würde.

 

Dieses Mal fielen mir die ersten Meter richtig hart. Und es kam wie es kommen musste… Nach 3 Kilometer in der vierten Runde, etwa bei Kilometer 33, musste ich das erste Mal hundert Meter gehen. Aber nach der kurzen Gehpause ging es wieder und ich konnte wieder eine Pace von 05:30 laufen. Das Glücksgefühl hielt aber nur kurze Zeit. Denn bei Kilometer 37 musste ich ein zweites Mal gehen. Ganze 300 Meter musste ich gehen, um wieder genügend Mut für einen weiteren Laufversuch zu haben. Hier hätte mir ein Mitläufer wertvolle Dienste leisten können.

Erst bei Kilometer 41 musste ich noch mal hundert Meter gehen, ehe ich nach 42 Kilometer und 195 Meter doch ein wenig groggy ins Ziel lief. 

Empfangskomitee bei Start und Ziel. Mit Verpflegungsstation.

Riesiger Applaus empfing ich als ich in die Zielgerade einbog. Ich war richtig happy, dieses Martyrium allein durchgezogen zu haben. Ich freute mich so richtig auf ein alkoholfreies Weißbier, dass mir auch gleich gereicht wurde. Was für ein fantastischer Tag!

 

Fazit: Das harte an diesem Marathon war nicht die körperliche Anstrengung, denn ich bin solche Distanzen und auch längere schon gelaufen, sondern eher die psychische Seite. Bei einem normalen Wettkampf-Marathon läuft man nie allein, hat immer einen oder mehrere Läufer neben einem, vor einem oder hinter einem. Diese Mitläufer können einem ziehen oder man kann sich auch an Ihnen aufrichten. Vier Runden, jede mit etwas mehr als 10 Kilometer alleine, ohne Begleitung laufen war eine richtig harte Aufgabe für meinen Kopf. Aufzugeben und das Ganze hinzuwerfen war öfter in meinem Kopf.

Schluss endlich habe ich es dann doch noch geschafft und darauf bin ich schon ein wenig stolz, zumal die Vorbereitung mehr als dürftig war. Ein perfekter Tag! Vielen Dank an meine beiden Mädels für den Besten Support an Start und Ziel.

Hier ein paar Kilometer Zeitdaten von meinem Solo Marathon:

05:02 05:06 05:08 05:09 05:11 05:10 05:14 05:11 05:10 05:07 05:06 05:08 05:14 05:13 05:12 05:12 05:13 05:10 05:12 05:08 05:09 05:13 05:16 05:16 05:18 05:20 05:23 05:19 05:21 06:04 05:41 05:12 05:12 06:36 08:13 05:39 06:08 06:14 06:25 06:25 06:21 05:59

 

Gesamtzeit: 03:49:40 auf 42,195 Kilometer

 

Gesamt Pace: 05:27

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