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Über den Verlust eines Tourenpartners...

 

 

 

Es gibt Tourenpartner mit denen man ein alpinistisches Ziel erreicht, es gibt andere, mit denen man nach der Tour lieber nicht mehr auf Tour geht und dann gibt es Tourenpartner wie Albert. Der für Ehrlichkeit, Freundschaft und absolute Zuverlässigkeit steht. Dazu gesellt sich eine Fähigkeit, sich auf die auf der Tour anzutreffenden Bedingungen ohne Murren oder Jammern einzustellen. Eigenschaften die man sich von einem Bergsteigerkollegen und Tourenpartner nur wünschen kann.

Ich lernte Albert kennen, als er sich bei mir, in einem meiner ersten alpinen Grundkurse die ich leitete, anmeldete, er aber eigentlich schon mehr wusste und konnte als ich selbst. Er stellte sich mit seinem Wissen und Können in den Dienst der Gruppe, erklärte Sachen aus seiner Sicht, ohne sich künstlich in den Vordergrund zu bringen. Er unterstützte mich in jeder Hinsicht und war damals ein ungemeiner Gewinn für die Ausbildungswoche in den Stubaier Alpen. Ich fand das damals sehr angenehm und gewann Ihn damals als Freund und Tourenpartner.

 

Wir machten anschließend einige gemeinsame Touren, die ich sehr genoss. Danach wurden allerdings die gemeinsamen Touren weniger. Jeder machte irgendwie wieder sein Ding, er machte Ausbildung um Ausbildung und konnte im letzten Jahr die Trainer B Ausbildung zum Trainer Skihochtouren abschließen. Gespannt verfolgte ich, wie er in den letzten Jahren mit verschiedenen Partnern gewaltige Touren in den Ost- und Westalpen erleben und in seinem Tourenbuch verewigen konnte. Irgendwie war mir das damals in den Stubaier Alpen schon klar, dass er für diese anspruchsvollen Touren wie geschaffen ist und in dem Kurs eigentlich völlig falsch war. 

Völlig richtig war er allerdings in der Sektion Straubing, wo er begeistert eine Vielzahl Ausbildungskurse und Tourenleitungen übernahm. Wenn man so einen engagiertes Mitglied in seinen Sektionsreihen hat, kann man sich wirklich nur glücklich schätzen.

Ein Touren-Highlight konnten wir uns gemeinsam mit 20! anderen Sektionsmitgliedern erfüllen…Die Haute Route, bei der wir alle neben besten Schnee- und Wetterbedingungen auch eine wunderschöne, unvergessliche Zeit mit Albert in den Bergen zwischen Chamonix und Zermatt hatten…

 

Irgendwann kam dann ein Anruf von Albert, ob ich Interesse an einer Besteigung des Matterhorns hätte. Ihm ist sein Tourenpartner abgesprungen und er würde einen Begleiter suchen. Ich musste damals nicht lange überlegen. Wie gern wäre ich mit Albert auf diese Tour gegangen. Leider kam es zu dieser Besteigung nicht, weil wir einige Male Wetterbedingt verschieben mussten. Da war irgendwie der Wurm drin und wir sagten uns, „der Berg steht da noch länger oberhalb Zermatt rum“. Ja, das tut der Berg wirklich, aber leider kommt es jetzt zu dieser Tour mit dir nicht mehr.

So wurde unsere letzte gemeinsame Tour eine Skidurchquerung in den Stubaier Alpen. Irgendwie schloss sich für uns beide ein Kreis, den ich persönlich und sicherlich viele andere, die Albert kannten, nicht so geschlossen haben wollten. Wie gerne hätte ich mit Albert noch viele Jahre eine schöne Zeit in unseren geliebten Bergen gehabt.

Ich war richtig geschockt, als ich die Nachricht von Alberts Ableben erhalten habe. Konnte es einfach nicht glauben, dass so ein umsichtiger und erfahrener Bergsteiger unschuldig Opfer eines willkürlich abreißenden Eisabbruchs wurde. Aber das Schicksal meinte es anders und ist leider gnadenlos.

Eine WhatsApp, die ich Albert wegen einer möglichen Tour an Pfingsten davor noch gesendet hatte, blieb deshalb logischerweise unbeantwortet.

Was für ein Verlust!

Albert, du reißt ein riesiges Loch in die Gemeinschaft der Sektion Straubing. Ich tröste mich ein wenig mit dem Gedanken, dass du irgendwo, mit all unseren Bergidolen an einem Tisch sitzt, ein Glas Rotwein in der Hand hast und über die beste Möglichkeit diskutierst, wie man seinen Kameraden aus der Gletscherspalte holen kann. Denn diese Diskussion hatten wir beide des Öfteren…

 

Mach‘s gut Albert, ich werde dich nicht vergessen und trage dich zukünftig in meinen Gedanken mit auf die Berge.

 

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