Es waren harte Monate für mich! Teilweise komplett sportlos, teilweise nur sehr eingeschränkt bewegungsfähig. Seit meiner Hoher Tenn Tour im Herbst 2025, wo ich mir durch einen Fehltritt in einen Kuh-Fußabdruck im Almgelände, kurz vor der Rückkehr zum Parkplatz das Fußgelenk verletzt hatte, bin ich irgendwie nicht mehr so richtig in die Spur gekommen.
Ganze 4 Wochen war das Fußgelenk beleidigt. Erst dann konnte ich wieder langsam ans Laufen denken. Anschließend hatte ich in der Zeit bis Weihnachten andauernd irgendwelche Infekte oder Grippe Symptome, die mir das Trainieren vermiesten. Ein wieder mal schlechter Hochwinter folgte…Die für mich und meiner Kondition dringend nötigen Hochwinter-Skitouren fielen aus. Auf stupides Skipisten rauf und runterschruppen hatte ich, wie auch die letzten Jahre keine Lust und so kam wie es kommen musste…Ich war nicht in der konditionellen Form, in der ein Nicht guter Skifahrer sein musste, um sein fehlendes Skikönnen mit Kraft und Kondition ausgleichen zu können. Ich stürzte!
In der Zeit seit dem Hohen Tenn hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich wägte ab und stellte mir verschiedene Szenarien vor. Ich hatte mir sogar ein kleine Positiv-Negativ Liste angefertigt, um wirklich nichts zu vergessen, war meine eigentlich feststehende Entscheidung ins Wanken bringen könnte. Aber es half nichts. Die Punkte auf der „Roten Seite“ waren einfach zu schwerliegend. Egal ob es die über Jahren andauernden Schmerzen in den Skitourenstiefeln waren oder die in den letzten Jahren immer kürzer werdenden Wintern waren und den damit weniger werdenden Trainingsmöglichkeiten…
Ich weihte erste langjährige Trainings- und Tourenpartner ein und freute mich insgeheim auf meine letzte Skitour, einer von Tobi organisierten Skidurchquerung in den Marteller Bergen. Auf den Weg vom Parkplatz zur Marteller Hütte wollte ich testen, wie gut/schlecht meine Form wirklich war. Aber zu meiner Überraschung konnte ich mit den Kollegen mithalten. Das stimmte mich positiv und so gewann ich an Zuversicht, dass ich mein Skitourenzeit mit einem schönem Erlebnis beenden kann.
Ich wollte und will daraus aber keine große Sache machen, drum behielt ich meine Entscheidung, bis auf eine paar enge Tourenpartner, für mich. Ich wollte es einfach auslaufen lassen. Dennoch will ich den anderen erklären, wie ich zu dieser Entscheidung kam…warum ich mich von dieser für mich über Jahre erfüllenden Sportart trenne. Weil es auch sicherlich unverständlich ist, wenn man einen Sport so intensiv über Jahre ausübt und dann doch relativ plötzlich so eine Entscheidung trifft. Es kamen einfach viele Punkte zusammen…
Punkt 1: Seit ich das erste Mal vor gut 15 Jahren in einem Skischuh stand, hatte ich Schmerzen. Seit einem Kletterunfall im Jahr 2010, wo ich mir beide Fußgewölbe zertrümmert habe, schlafen mir in allen Schuharten mit harten Sohlen, die Füße ein. Das beginnt mit leichtem Kribbeln, geht dann über in Blutstauung und endet mit höllischen Schmerzen, wo man am liebsten den Schuh ins Tal werfen würde… Ich hatte viel ausprobiert, sehr viel! Ich hatte den Rat von „Experten“ und „Nicht-Experten“ befolgt, habe diverse „Wunder“ Einlagesohlen oder Wunderschuhe getestet, aber es half nichts. Mir einem Model wurde es etwas besser, mit einem anderen wieder schlimmer. Alles ändert nichts an der Tatsache, dass meine Fußgewölbe im Arsch sind und ich Schmerzen habe.
Punkt 2: Der Klimawandel raubt mir meine Hochwinter-Trainingsmöglichkeiten. Jedes Jahr ein paar Tage mehr. Die kontinuierliche Schneefälle gibt es nicht mehr im Hochwinter. Meist fallen dann immer Unmengen auf einmal, die den Schneedeckenaufbau schwierig gestalten. Und da ich meinen Kopf nicht mehr wie in meinen Anfangsjahren überzeugen kann, dass ich diese oder jene 200Hm oder 400Hm Piste unzählige Male auf- und abschrubben soll, fällt die Vorbereitung immer öfter aus. Ich bin und war noch nie Skifahrer, ich war immer Bergsteiger, der die Ski für winterliche Aufstiege benutzte. Ich bekam auch keinen Rausch oder besondere Hochgefühle, wenn es in 20cm Pulverschnee den Berg hinabging. Ich freute mich einfach, dass ich schnell und ohne Probleme wieder im Tal unten war.
Hier könnte ich unzählige weitere Gründe aufführen, was aber alles nichts an der Entscheidung ändert. Was ich sehr bedauere, ist, dass ich die durch das Skitourengehen gewonnene Freundschaften verlieren werde. Denn viele lernte ich erst durch das Tourengehen kennen und schätzen.
Wenn ich an die Worte von Peppi denke, als er mich nach meiner ersten Saison auf Skier beurteilte, muss ich heute noch lachen. Ja, ich war anfangs eine mieser Skifahrer, aber man konnte schnell eine Besserung erkennen. Ich war auch später nie der beste Skifahrer aber durch meine konditionelle Vorbereitung konnte ich einiges Ausgleichen, was mir Skifahrer mit Ihrer Technik, die das seit ihrer Kindheit her machten, voraushatten.
Ich danke Peter, der mich beim Kauf, meiner ersten Skischuhe und den ersten Schneekontakt auf Skiern am Predigtstuhl unterstütze. Ich danke Peppi, der das Fortführte und mich in die Ski-Hochtouren / Lawinenbeurteilung einführte. Ich danke Robert, in dem ich einen sehr guten Tourenpartner hatte, der irgendein Potenzial in mir entdeckte, ich weiß bis heute nicht welches. 😊 Ich danke allen anderen die mich in meiner Skitourenzeit begleiteten und mit denen ich unglaubliche Momente und Möglichkeiten erlebte.
Eine meiner ersten Skitouren auf die Scheinbergspitze...