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Kletterreiche Grat-Hochtouren um das Ramolhaus – Hinterer Spiegelkogel 3426m – Firmisanschneid 3490m

Teilnehmer: André, Karl-Heinz, Melanie, Stefan

 

Datum: 27.06.2026 – 29.06.2026

 

Gipfel:

Hinterer Spiegelkogel 3426m

Firmisanschneid 3490m

 

Schwierigkeiten:

Nie über UIAA II. In Summe 2800Hm

 

Verhältnisse:

Trockener Fels, Schneebereiche tief und massive aufgeweicht.

 

Wetter: Heißes Wetter im Tal das auf 3000m ziemlich warm war. Am Nachmittag markanter Anstieg der Gewittergefahr. Regen, Hagel und Wind am Spätnachmittag.

 

 

Strecke: Vent 1900m – Weg 902 – Ramolalm 2215m – Ramoljoch 3186m – Ramolhaus 3006m – Übernachtung – Ostgrat zum Nordostgratausläufer des Hinteren Spiegelkogels 3426m – Hinterer Spiegelkogel NO-Grat – Hinterer Spiegelkogel Gipfel – Spiegeljoch – Firmisanschneid 3490m – Spiegeljoch – Hinterer Spiegelkogel – Ramolhaus 3006m – Übernachtung – Aufstieg über Ostgrat zum Spiegelkogel NO-Grat und Abstieg zum Ramoljoch – Ramoljoch 3186m - Ramolalm 2215m - Weg 902 – Vent 1900m

 

 

 

Ein kleiner Überblick über unsere Touren... Jedoch ohne jeglichen Maßstab.

Endlich wieder Berge! Ich freute mich riesig auf meine erste Sommer-Bergtour 2026. Nach meinem Sturz auf meiner letzten Skitour hatte ich lange nicht gewusst, ob es dieses Jahr noch was wird mit dem Bergsteigen. Aber Dank einer befreundeten Physiotherapeutin und meiner Hausärztin, die mich gut betreuten, sah ich positiv in den Bergsommer.

 

Da der Knie-Belastungstest im Wilden Kaiser Familien Urlaub gut verlaufen war, konnte ich wie ausgeschrieben meine Führungstour im Ötztal abhalten. Aus zwei verschiedenen Ausgangspunkten fuhren wir ins Ötztal, nach Vent. Der eher ungewöhnliche Hüttenzustieg zum Ramolhaus aus Vent kam mir interessanter vor. Da der Zustieg länger war und ich am Haupttag einen „langen“ Tag haben wollte, plante ich im Vorfeld drei Tage auf dem Ramolhaus ein. Als Ziele hätte ich mir die den großen Ramolkogel oder den Schalfkogel ausgesucht. Mal schauen, was dann am Ende am besten passte.

 

 

Im Zustieg zum Ramoljoch... Im Hintergrund rechts die Nordseite des Hinteren Spiegelkogels.

 

Vom Bergsteigerdorf Vent hatte man eigentlich alle Möglichkeiten. Quasi in allen Himmelrichtungen gab es reizvolle Hütte und noch reizvollere Ziele. Wir hingegen verließen das Dorf in südlicher Richtung, in Richtung Ramolhaus. Einen der höchstgelegenen Stützpunkte in Österreich. Vom Dorf weg war es Steil, ein noch breiter Wanderweg führte und in steilen Serpentinen durch einen Kiefernwald in den Weidebereich der Ramolalm. Kein Lüftchen tat sich auf und so nahmen wir gefühlt die Rekordhitze aus der Heimat mit auf Tour. Heiß und dampfig war der Aufstieg und so mussten unsere Schweißdrüsen Überstunden machen. Immer wieder blieben wir stehen. Um auszuschnaufen aber auch um die umliegende Bergwelt zu bestaunen. Wildspitze, Similaun und viele andere Ostalpenriesen konnten wir bereits beim Anstieg zur Ramolalm bestaunen. Durch die Steilheit kamen wir schnell höher und kamen bald in die Moränenlandschaft des ehemaligen Spiegelferners. Weit hat er sich zurückgezogen. Über Blockgelände zog sich der Steig im immerwährendem Auf und Ab in den Talschluss. Je weiter wir dem Talschluss näher kamen mussten Altschneefelder überquert werden. Die durch die hohen Temperaturen grundlos anfühlt und uns teilweise bis zu Hüfte einsinken ließen. Endlich war das Ramoljoch erreicht. Endlich kam ein Lüftchen auf.

 

 

Das Ramolhaus 3006m. Ich Hintergrund der sterbende Gurgler Ferner.

 

Auf der anderen Seite waren Seilversicherungen angebracht, um dem Abstieg zu erleichtern. Schnell waren wir unten, wo sich früher der Ramolgletscher ausbreitete. Jetzt waren da nur noch jede Menge Schutt und vereinzelte Schneefelder. Die Hütte war schon in Sichtweite, doch jetzt kam völlig unverhofft die Schlüsselstelle des Hüttenzustiegs. Ging man früher noch relativ entspannt über Eis hinüber zum Stützpunkt, musste man jetzt tiefe Schnee und Matschfelder durchwaten. Das viele Tauwasser hatte das Moränenmaterial in grundlosen Schlamm verwandelt. Der Schlamm lief einem oben in die Schuhe hinein. Was für eine Sauerei. Dabei war der im Anschluss fällige Gegenanstieg richtig lächerlich.  

 

Auf der Hütte angekommen, meldeten wir uns an und genossen erst mal ein Erfrischungsgetränk. Die Planungen für unseren morgigen Tag starteten. Also nachdem wir uns bei unseren Hüttenzustieg bereits mit dem Zustand des Ramolkogel Zustiegs vertraut machten, fiel diese Seite und auch diese Ziele sprichwörtlich ins Wasser beziehungsweise in den Schlamm und Schneematsch.

 

Also blieb nur die andere Seite, die Richtung Schalfkogel. Da aber für morgen ab Mittag Wärmegewitter vorausgesagt waren, musste wir früh starten und defensiv planen, je nach Wolkenstimmung unser Ziel anpassen. Ich weiß nicht, ob es was Schlimmeres gibt als ein Berggewitter auf dem Grat. Also vereinbarten wir mit der Hüttenwirtin ein Thermo-Frühstück und starteten früh.

Pünktlich um 5 Uhr standen wir vor der Hütte und nahmen die Rucksäcke auf den Rücken. Nur kurz war der Zustieg von der Hütte. Ein Ostgrat führte uns in leichter Kletterei zum Nordostausläufer des Hinteren Spiegelkogels, unserem ersten Ziel. Nach knapp einer Stunde erreichten wir den Gipfel mit dem schönen Kreuz. Die Aussicht war schon gewaltig! Kurz blieben wir, denn die Zeit war heute nicht unser Freund. Wir stiegen relativ ausgesetzt in Richtung Spiegeljoch hinunter. In Berichten hieß es von brüchigem Fels, das stimmte auch teilweise aber der Abstieg problemlos machbar. Die Berge bröseln und wenn man sich auf das einstellt, dann geht man mit der nötigen Vorsicht an die Sache.

 

Der Abstieg zieht sich, weil quasi kein Meter Gehgelände ist. Ich genoss das leichte Gelände. Es wird nie schwerer als UIAA II. Also alles entspannt. Erfahrung im Bruchklettern, dass eine immer wichtigere Kernkompetenz eines Hochtouren-Bergsteigers ist, ist von Vorteil.

 

 

Impressionen des zweiten Tourentags. Leichte Gratkletterei zur Firmisanschneid via Hinterer Spiegelkogel...

 

Im Spiegeljoch angekommen, zeigen sich die Ausmaße des Grates, denn hier hat man erst ein Drittel des Wegs zur Firmisanschneid bewältigt. Und da sind die zwei oder drei Türmchen zeitlich nicht miteingerechnet. Wie bereits am hinteren Spiegelkogel bewerten wir regelmäßig das Wetter. Erste Wolken zeigen sich. Aber noch keine Anzeichen auf Gewitterwolken. Durch die Länge des Grates und der nicht vorhandenen Notabstiege müssen wir aufpassen.

Die von weiten sichtbaren Türmchen erwiesen sich als gutmütig und so erreichen wir nach gut 3,5 Stunden den Gipfel des Firmisanschneids. Es ist schon Wahnsinn. Es ist erst 9 Uhr vormittags und schon zeigen sich die ersten Quellwolken die einen Amboss ausbilden. So jetzt muss eine Entscheidung her, aber diese hatte insgeheim schon jeder für sich selbst getroffen.

 

Da der Grat zum Schalfkogel fast doppelt so lange ist und laut Beschreibungen noch bröseliger ist als der Weg vom Spiegelkogel her und zusätzlich kein passender Notabstieg vorhanden ist, muss der gleiche Weg zurück geklettert werden! Es gab eigentlich nur eine Entscheidung. Abbruch! Ohne Gram oder schlechtem Gefühl stiegen wir den steilen Abstieg hinunter. Im Laufen des Rückwegs bestätigte die weitere Wetterentwicklung unsere Entscheidung. Es sieht so aus, als ob der Wetterbericht rechtbehalten sollte. Am Spiegelkogel angekommen bekam die Wetterentwicklung Dynamik. Einzelne Quellwolken verdichteten sich zu einer kompletten Wolkendecke und als wir auf den letzten Metern zur Hütte waren, war von Sonne nichts mehr zu sehen.

 

Auf dem Hinteren Spiegelkogel , hinten Großer und Mittelerer Ramolkogel, rechts daneben der etwas kleinere Nördliche Ramolkogel.

 

Zwei Stunden später goss es in Strömen. Blitze und Donnern bestätigten unsere defensive und vorausschauende Taktik.

Beim Abendessen besorgten wir uns den aktuellen Wetterbericht und schauten uns die Vorhersage für morgen an. Diese schaute nicht gut aus, deshalb verwarf ich auch irgendwelche weitere Gipfelambitionen. Nach dem gestrigen Gewitter und der nachfolgenden Abkühlung blieben die Wolken im Gebirge. Es sollte von 6Uhr bis ca.9Uhr trocken bleiben, danach wieder mit dem Regnen beginnen. Da wir auch morgen trocken bleiben wollten, vereinbarten wir eine Abmarschzeit von 6:30Uhr. Da wir aber nicht wie am Zustiegstag im Schlamm des ehemaligen Ramolgletschers versinken wollen, beschlossen wir nochmals zum Gratausläufers des Spiegelkogels aufzusteigen und dann dem Nordostgrat folgend, hinunter zum Ramoljoch zu gelangen.

 

Gesagt getan, pünktlich war man am Frühstückstisch und genoss das reichhaltige Buffett. Anschließend verabschiedete man sich von der netten Hüttencrew und nahm den Grat hinter der Hütte in Angriff. Schnell war der Grat erreicht und über die leicht feuchten Platten und Türmchen das Ramoljoch erreicht. Jetzt sind wir im leichten Gelände, jetzt kann der Regen kommen, was er dann auch tat. Kurz vor der Ramolalm erwischte uns dann doch der Nieselregen.

 

Auf dem Grat hinab zum Ramoljoch...

 

 

Fazit: Vielen dank an meine Teilnehmer, für die schönen Tage. Leider wurde es nichts mit den Hauptzielen aber die klimatischen Veränderungen in den letzten Jahren machten uns einen Strich durch die Rechnung. Ich kenne das Gelände rund um das Ramolhaus. Ich war schon einmal 2016 hier.

Wie sich das Gelände in diesen Jahren verändert hat, ist schon sagenhaft. Es macht mich traurig, wie weit sich der Gurgler Ferner zurückgezogen hat, quasi ohne Nährgebiet und das im Juni. Wie die Wildspitze aussieht…der Ramolferner ist quasi nicht mehr vorhanden und hinterlässt nur Schnee und Matsch…die riesige Ostflanke des Schalfkogels nicht mehr begehbar ist. Ich weiß nicht, ob ich das Sterben meiner so bekannten Bergwelt weiter miterleben will. Kein Fels bleibt auf dem anderen. Meine schöne, heile Hochtourenwelt gibt es nicht mehr. Viele Touren sind jetzt schon nicht mehr oder nur durch eine massive Erhöhung der Risikobereitschaft möglich. Steinschlag, Felsrutsche wären unser täglicher Begleiter. Ich stand lange auf der Hüttenterrasse und überlegte, ließ meine Gedanken auf dem Gipfel der Firmisanschneid freien Lauf und dachte an die Touren auf die Berge in Sichtweite. An die Touren auf die Wildspitze, die Alpinen Grundkurse, die ich auf der Martin Busch Hütte, Franz Senn Hütte und Langtalereckhütte abhielt. Wie weit muss man aktuell von der Franz Senn Hütte oder Langtalereckhütte zum nächstgelegenen Eis aufsteigen. 3 Stunden, 4 Stunden oder 5? Hütten, die in unmittelbarer Nähe zu den Gletschern standen, sind jetzt Wanderhütten mit 5 Gänge Menüs, Warmwasserdusche, Sauna und Wellness-Atmosphäre. Wo sind die einfachen Schutzhütten hin?  Man sollte mal die ganzen Klimaleugner einmal hierherauf bringen. Wie hier den Einheimischen Bewohnern das Trinkwasser davonfließt. Jeden Tag jede Nacht, Millionen von Litern! Klar gab es schon immer wärmere Zeiten, und auch einen Eisfreie Erde, aber das war alles vor dem Mensch und es ging alles nicht so schnell.

Es dynamisiert sich erst seit der Mensch da massiv eingreift, seitdem unverhältnismäßig fossile Brennstoffe verbraucht werden.

 

Ich weiß, ich bin abgeschweift…aber es trifft mich hart und es trifft uns alle. Egal, ob wir es wahr haben wollen oder nicht. Das Rad dreht sich und lässt sich nicht mehr aufhalten.