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Zuckerhütl und Wilder Pfaff

Zuckerhütl Nordwand und Wilder Pfaff

Datum: 27.05.2012

Teilnehmer: Peter, Michael

Gipfel:

Zuckerhütl 3507m

Wilder Pfaff 3458m

Schwierigkeiten: 55° (200Hm)

Wetter: Das Wetter war herrrlich. Es war bis mittags strahlenden Sonnenschein bis 15 Grad vorausgesagt. Aber viel Wind. Nachmittags Quellbewölkung und erhöhte Niederschlagsgefahr. Ab 14 Uhr Nebel von Westen herkommend, Ab 15:30Uhr leichter Schneefall.

Strecke: Talstation Stubaier Gletscherbahn Mutterbergalm - Station "Eisjoch" - Talstation "Gaiskarfernerlift" - Pfaffenferner - Pfaffenjoch - Sulzenauferner - Zuckerhütl Gipfel 3507m - Pfaffensattel - Wilder Pfaff Nordflanke - Wilder Pfaff Gipfel 3458m - Pfaffensattel - Sulzenauferner - Pfaffenjoch - Pfaffenferner -Fernaujoch - Fernauferner - Mittelstation bei Dresdner Hütte - Mutterbergalm

Bedingungen: Schnee war bis 13Uhr trittfest, eigentlich optimal. Nachmittags besonders an südseitigen Hängen sulzig und weich. Einbrüche bis Knie bzw. Hüfte.

Ausrüstung: Schneeschuhe, Hochtourenausrüstung, Helm

 

Ich habe lange überlegt, ob ich zu dieser Tour einen Bericht schreiben sollte. Da es für mich und meine „Alpine Karriere“ eine sehr einprägsame und richtungsändernde Tour war, kam ich nicht drum herum. Es wurde für mich ein Drama mit einer Schindere sondergleichen.

Es war Freitagabend, als mich Michael anrief und mich fragte, ob ich mit Ihm zum Zuckerhütl fahren wollte. Erst war ich stutzig, es ist erst Ende Mai und ich dachte eigentlich, es gäbe noch zu viel Schnee auf dem Gletscher, dass wir zu Fuß zum Wandfuß kommen könnten. Als er dann weitererzählte, dass er mit seinen Tourenski gehen würde und ich könnte doch meine Schneeschuhe mitnehmen, sagte ich zu.

Naja, es würde meine erste Tour mit Schneeschuhtour sein. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Verbindung zu diesen blöden Dingern, aber sie könnten mir den Aktionsradius im Bergjahr erheblich vergrößern. Ich informierte darauf hin Peter, der sonst in der letzten Zeit immer mit mir in den Bergen unterwegs war. Er wollte auch mit, und so fuhren wir am folgenden Sonntag ins Stubaital.

Wir parkten an der Talstation der Stubaier Gletscherbahn wo wir mit der ersten Fahrt, pünktlich um 8:30Uhr zum Eisjoch rauffuhren. Ein bisschen komisch kam ich mir mit meinen Schneeschuhen schon vor, aber weder an der Kasse noch beim Eisteigen in die Gletscherbahn wurde ich nicht vom Personal angesprochen. Vom Eisjoch ging es nochmal eine Fahrt zum Schaufeljoch auf 3158m hinauf.

Von dort gehts dann auf der Piste hinunter, die Peter und Michael auf Ski ziemlich schnell hinunterfuhren. Ich stolperte, die Schneeschuhe verfluchend, am Rand der Gaißkarferner Piste hinunter zur Talstation eines kleinen Liftes. Dort warteten die beiden wieder auf mich. Nach einer weiteren, kurzen, aber steilen Abstiegspassage fellten die beiden auf. Ich bemerkte aber schon beim letzten Abstieg, dass mein linker Schneeschuh klackerte. Jetzt wo die beiden auffellen, hatte ich kurz Zeit, die Sache genauer anzuschauen. Mein Linker Schneeschuh war gebrochen! Toll! Ich stand jetzt in mitten 20 Skitourengeher, allein als Schneeschuhgeher mitten auf dem Gletscher und meine verfluchten Dinger sind schon nach einer Stunde kaputt. Am liebsten hätte ich die Dinger hinter den nächsten Baum geworfen. Aber leider war nirgends einer. Ich nahm also eine Reepschnur und band die Sch…dinger an meinen Rucksack fest.

Die beiden schauten mich an, keinem war zum Lachen zu mute. Ich nahm meine Skistecken und marschierte los. Die beiden folgten mir, ohne ein Wort zu reden. Anscheinend hatten sich kapiert, dass mir nicht zum Reden ist und ich geladen war.

Wir stiegen die ersten Meter links haltend etwas steiler zum Pfaffenferner hinauf, ehe wir über diesen ziemlich flach ins Pfaffenjoch (3208m) querten. Der Schnee war gut, ich sank mit meinen Bergschuhen nur minimal ein. Wir drei kamen recht gut voran und ich hielt die beiden nicht recht auf. Ab dem Joch steigen wir über den Sulzenauferner direkt an ein paar offenen Spalten vorbei zum Einstieg der Nordwand. Am Einstieg angekommen steigen über den Bergschrund, der noch weitgehend geschlossen ist, an der besten Stelle auf. In der Nordwand selbst haben wir beste Verhältnisse, schöner Trittschnee direkt bis zu den Felsen rechts vor dem Gipfel des Zuckerhütls. Über einen unschwierigen Blockgrat erreichen wir den Gipfel mit dem mächtigen Gipfelkreuz. Nach einer kurzen Pause fuhren die beiden die Nordwand ab. Ich stieg indessen den Ostgrat ab. Der teilweise heikle, vereiste Abstieg kostete mir den einen oder anderen Nerv. Am Pfaffensattel zwischen Zuckerhütl und Wilden Pfaff trafen wir uns wieder.

Vom Sattel steigen wir wieder zu dritt über Nordflanke des Wilden Pfaff auf. Der Schnee ist eigentlich noch gut, aber man merkt ihm die Mittagszeit auch nordseitig schon an. Am Gipfel angekommen machen wir nur kurz ein paar Fotos und steigen beziehungsweise fuhren über den Sulzenauferner zum Pfaffenjoch ab. Hier versank ich mit meinen Bergschuhen schon richtig gut im Schnee. Hier musste ich mich schon richtig schinden, denn immer wieder brach ich durch die Schneedecke bis zu den Knien und manchmal zu den Hüften ein. Bei Anstieg zum Fernaujoch musste ich alles geben und wühlte mich schon regelrecht die Flanke hinauf. Denn die letzte Talfahrt der Mittelstation wartet nicht. Immer öfter muss ich pausieren und die anderen beiden mussten auch immer wieder auf mich warten. Jetzt fing es auch noch leicht zu schneien an. Perfekt! Alles passt! Michael und Peter sahen auf die Uhr. Sie fürchteten, dass wir die Bahn nicht mehr rechtzeitig erreichen würden und informierten mich, dass sie mit den Ski abfahren und die Leute von der Bahn bitten, noch auf mich zu warten.

Endlich habe ich das Joch erreicht! Völlig fertig brauchte ich ein paar Minuten zu Erholung. Ab dann ging es nur noch abwärts…ich lief mit Steigeisen an den Füßen die Piste über den Fernauferner zur Mittelstation der Stubaier Gletscherbahn hinab. Durch die bombenfeste Piste war das gut möglich. Von allen, inklusive meiner beiden Begleiter, wurde ich schon sehnlichst erwartet. Völlig am Ende, mich schämend, saß ich in der Gondel und schwebte den Berg Richtung Talstation hinab. Am Parkplatz suchte ich die nächste Mülltonne und feuerte die Schneeschuhe hinein. Einmal und nie wieder Schneeschuhe!

 

 

Fazit: Im Nachhinein war die ganze Tour eine Schnapsidee mit glücklichem Ausgang. Der am Vormittag noch gut tragende Gletscher wurde ab Mittag weich und mit Bergschuhen nicht mehr zu begehen. Natürlich wäre es mit den Schneeschuhen wesentlich besser gegangen und hätten bestimmt die Mittelstation noch zur normalen Betriebszeit erreicht, aber die Tatsache, dass wir drei völlig verschieden unterwegs waren, passt einfach nicht zusammen. Ganz zu Schweigen von der Spaltensturzgefahr am Nachmittag. Ein gutes hatte die Sache aber…diese peinliche Tour zwang mich etwas zu unternehmen. Im nächsten Winter begann ich mit dem Skifahren. 

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