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Königsspitze Ostwandrinne - erster Versuch

Königsspitze über Ostwand 

Datum: 10.05.2015

Teilnehmer: Robert, Michael

Gipfel:

3851m Königsspitze Ostwandrinne

Schwierigkeiten: 45° ST III

Bedingungen: In der Rinne Trittschnee, sonst Wechsel zwischen gedeckelt und Frühjahrfirn

Wetter: strahlender Sonnenschein; -6 Grad auf 3000m

Strecke:  Sulden Talstation – Markante Brücke nach 700hm – Einstieg Ostwandrinne – Ostwandrinne - Einquerung vom Normalweg - Ostwandrinne – Markante Brücke nach 700Hm – Sulden Talstation

 

Wir fahren nach Sulden! Um endlich einen meiner Traumberge zu besteigen! Und dann über einen großartigen Zustieg. Wir wollen über die Königspitze Ostwandrinne auf den Gipfel steigen. Wir fahren am Nachmittag vom heimischen Niederbayern nach Prad am Stilfser Joch, wo wir im Hotel Stern ein Zimmer gebucht hatten. Wir genossen noch eine Pizza im hoteleigenen Restaurant und planten die morgige Tour. Der Wecker klingelte um 03:30Uhr, der Rucksack stand fertig gepackt neben dem Bett. Wir fuhren von Prad nach Sulden und parkten dort am Parkplatz der Seilbahn. Kurz nach 04:00Uhr starten wir vom Parkplatz der an der linken Seite des Suldenbach entlangführenden Skiabfahrt. Mit den Skischuhen und den Ski am Rucksack ist der sonst relativ leichte Rucksack doch ein ziemlicher Bremser. Parallel zur Seilbahn steigen wir mäßig steil den Schildern folgend Richtung Schaubachhütte auf. Endlich kommt der Schnee und wir können auf Ski wechseln.

Bei einer kleinen Brücke, nach etwa 700 Höhenmetern zweigen wir nach rechts zum Einstieg der Ostwandrinne ab. Über kupiertes Gelände erreichen wir den Fuß der Ostwandrinne. Hier deponieren wir seitlich der großen Rinnenflucht unsere Turnschuhe und Ausrüstung die wir für den weiteren Aufstieg nicht benötigen. Der Fuß der Rinne ist noch sehr breit und deshalb steigen wir noch mit Ski so lange auf, wie es uns als sinnvoll vorkommt. Heute schmerzen meine Füße in den Skischuhen. Ich rede laut vor mir hin…“Das wird sich heute für mich nicht ausgehen.“ Die beiden anderen schauen mich an, registrieren meine Aussage mit einem Kopfnicken und steigen los. Wollen mir anscheinend so zeigen, ich soll mich nicht so anstellen. Das wird schon gehen, aber da bin ich mir nicht so sicher.

Wir schultern die Ski und steigen zu Fuß mit Steigeisen an den Füßen, in einer guten Trittspur weiter Richtung Engstelle. Bei der Engstelle ist guter Trittschnee, wo wir rasch durchschlupfen und so in den großen Hang gelangen. Hier stapfen wir in der gut angelegten Trittspur weiter Richtung Ausstieg am Ende des Hangs. Als wir nach links aussteigen befinden wir uns schlagartig in flacherem Gelände. Hier steigen wir wieder in unsere Ski und folgen der Spur nach links querend  in die gewaltige Südflanke. Von links quert der Normalweg von der Pizzini Hütte herauf. Hier mache ich Pause, lass die beiden anderen ziehen. Ich muss raus von meinen Schuhen. Es geht nicht mehr. Während ich meine Füße massiere, steigen die beiden weiter Richtung Gipfel. Michael schafft es bis zum Gipfel, Robert muss kurz vor der Gipfelrinne auch abrechen. Währenddessen fahre ich schon den unteren Teil der Südflanke zum Beginn der Steilrinne ab. Dort im Flachstück vor der Rinne will ich auf Sie warten. Gemeinsam kommen sie mir auf Ihren Ski entgegen. Sie sprechen von Pulver und genialen Verhältnissen im oberen Bereich der Südflanke. Ist mir in dem Augenblick völlig egal, ich will nur runter. Meine Füße schmerzen!

Ich fahre als erstes in die bis zu 45° steile Rinne. Bleibe stehen, steige aus meinen Ski und warte am Rand der Rinne auf die beiden. Ich wollte mich gerade umdrehen, wo sie bleiben, da kommen mir schon Schreie von Oben entgegen. Vorsicht! Lawine! Achtung! Ich werfe mich blitzschnell Richtung Felsen und versuche irgendwo halt zu finden. Schon prasselt die Lawine an mir vorbei Richtung Engstelle im unteren Bereich. Puh, ein bisschen baff stehe ich da und weiß nicht recht was ich machen soll. Gleich drauf kommen Michael und Robert zu mir und fragen ob alles in Ordnung ist. Ich stieg die Rinne abwärts, die beiden fuhren sie ab und warteten auf mich nach der Engstelle auf dem Lawinenkegel. Hier liegen überall Lawinenbrocken rum. Wo sind nur unsere Sachen? Die Lawine hat unsere zurückgelassene Ausrüstung verschüttet. Na großartig!  Das heißt, ich muss mit meinen schmerzenden Füßen den Rückweg zum Parkplatz in den Skischuhe gehen. Ein toller Tag! Zuerst nicht auf den Gipfel gekommen, dann noch die Turnschuhe und die restliche Ausrüstung in einer Lawine verschüttet. Nach einer gefühlt endlosen Talwanderung erreichen wir den Parkplatz in Sulden.

 

 Fazit:

Ich hätte mir eigentlich ein anderes Ende gewünscht. Die Tour war trotz unserer guten Vorbereitung für Robert und mich kein Erfolg. Gratulation an Michael! Der zeitliche Ablauf hatte gepasst, die Bedingungen waren gut aber meine Füße wollten nicht. Das unsere Sachen am Rinnenfuß weg waren, war zwar zu verkraften, dennoch hätte es mit ein wenig mehr Sorgfalt bei der Auswahl des Depotplatzes verhindert werden können.

Aber wie hatten vor allem richtig Glück beim Lawinenabgang. Die Lawine war zwar nicht allzu groß, aber es hätte gereicht, uns mit nach unten zu nehmen. Ein bisschen eher in der Ostrinne und wir wären von der Lawine erfasst worden. Wer oder was die Lawine ausgelöst hat, wissen wir nicht. Evtl. sind Steine aus den Felsen über uns in die Rinne gefallen und haben das ganze ins Rollen gebracht.

Naja, in den Bergen lernt man eben nie aus. Trotz der guten Bedingungen muss man zu jeder Zeit mit dem Unvorhersehbaren rechnen. Trotzdem war nach den letzten Stunden klar. Wir kommen wieder!

 

 

 

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