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Skitour Hörndlwand und Gurnwandkopf

Hörndlwand und Gurnwandkopf

Teilnehmer: Robert, Mario und zwei Chiemgauer Freunde von Mario

Gipfel:

Hörndlwand 1684m

Gurnwandkopf 1691m

Skitour vom Parkplatz Seehaus Ostertal

Schwierigkeit: ST II-III – 40-45Grad - 15km – 1550Hm

Lawinenlage: 2, oberhalb 1800m 3

Ausrüstung: normale Skitourenausrüstung

Strecke: Parkplatz Seehaus 746m – Ostertal – Hochplateau - Hörndlwand 1684m – Gurnwandkopf 1691m – Hochplateau - Südabfahrt – Hochplateau – Abfahrt zum Parkplatz Seehaus 746m

Wetter: Wolkenobergrenze bei etwa 1800m, Kalter Wind

 

Bedingungen: zerfahrener Pulverschnee am Normalweg. In der Südflanke unverspurt, aber oft Steinkontakt.

Am Parkplatz Seehaus

Die letzten Wochen waren für die bayerischen Skitourengeher nicht einfach. Das söderische Grenzübertrittsverbot und die fehlenden Niederschläge in den bayerischen Bergen hatten mich schon bezüglich alpiner Klettereien in den Bayrischen Voralpen recherchieren lassen. Doch im Laufe der letzten Woche hatte dann Frau Holle doch noch ein Einsehen mit den auf Eis und ausgeaperten Schipisten rumrutschenden bayerischen Skitourengehern und bescherte uns für bayerische Verhältnisse im März ungewöhnlich hohe Neuschneemengen.

Robert und ich telefonierten mehrmals im Lauf der Woche, aber das Mitte der Woche noch gut angekündigte Wochenende wurde immer mieser vorausgesagt. Am Freitag blieb dann quasi keine Sonne für Sonntag übrig und zudem noch eine sich nach unter 1800 Meter verschiebende Wolkenschicht.

 

Wir sagten unsere Tour ab, denn mieses Wetter und eingetrübter Sicht konnten wir auch am heimischen Arber haben und brauchten dafür nicht den Weg in die Alpen auf uns nehmen. Gedanklich schon mit einer Trainingseinheit auf der Rolle abgefunden, meldete sich Robert am Samstag um 21 Uhr und schlug mir die Hörndlwand vor. Ein gemeinsamer Freund, der Mario würde dort mit zwei einheimischen Freunden morgen eine Skitour auf die Hörndlwand machen und wir beide könnten mit. Wir beide entschlossen uns schnell, denn ein paar Pulverschwünge wären heuer schon noch schön.

Pünktlich standen wir am Parkplatz Seehaus an der B305 und warteten auf die anderen drei. Auf dem kleinen Parkplatz auf 746 Meter war nur Platz für etwa zwölf Autos und so konnten die drei einen der letzten Parkplätz ergattern. Über einen kleinen Waldweg ging die Spur erst flach an einigen Häusern vorbei, ehe sie etwas später immer wieder den Sommerweg abschneidend steil bis sehr steil Richtung Ostertal hineinführt. Im Ostertalgraben angekommen, führte uns die Spur an steilen Felswänden entlang in ein offenes Kar mit Blick auf eine Scharte. Das Wetter war wie vorhergesagt. Eine dicke Wolkenschicht über den Chiemgauer Bergen bei kühlen Temperaturen und leichten bis mäßig wehenden Wind. 

Die markante Scharte, unser Zwischenziel ist schon gut erkennbar.

Über das an die 35° Grad steile Gelände erreichten wir die von unten anvisierte Scharte, wo sich uns ein schöner Blick über das Hochplateau auftat. Wir konnten nur erahnen, wie hier der Ausblick bei schönem Wetter wäre.

 

Hier auf dem Plateau erwartete uns ein scharfer und kalter Wind, der mich sofort frösteln ließ. Also nichts wie weiter auf den Gipfel. Die Spur führte von der Scharte nach rechts in einem kleinen Bogen von West nach Ost durch eingeschneite Latschen auf den aussichtsreichen Doppelgipfel der Hörndlwand. Wegen dem kalten und schneidenden Wind hielten wir uns nur kurz auf dem Gipfel und fuhren mit Fellen wieder zurück zur Scharte zwischen Hörndlwand und Gurnwandkopf.  Dort hatten Hias und Obi bereits ein Schneeprofil gegraben, denn das Ziel war die Befahrung der bis zu 45 Grad steilen Nordrinne. Zwar würde das Schneeprofil die Befahrung der Rinne nicht verbieten, aber die Mehrheit von uns hatte kein gutes Gefühl bei der stark eingewehten Rinnen-Einfahrt und so ließen wir das Projekt. 

Auf dem Westgipfel der Hörndlwand

Stattdessen stiegen wir nach Westen und holten uns den zweiten Gipfel. Über nur teilweise eingeschneite Latschen kämpften wir uns auf den Gurnwandkopf. Hier war der Wind gefühlt noch kälter und wir beeilten uns beim Umbauen auf die Abfahrt. Kurz drauf fuhren wir schon die kleine Südflanke auf das Plateau ab, wo wir uns etwas Windgeschützt über die weiteren Tourenmöglichkeiten Gedanken machten.

 

Letzten Endes entschieden wir uns für eine Abfahrt in die südlich vom Gurnwandkopf gelegenen Steilhänge in Richtung Lödensee und Mittersee, wo wir im oberen Bereich herrliches, aber etwas zu flaches Almgelände befuhren. Das änderte sich aber kurz drauf. Plötzlich befanden wir uns im 40 Grad felsdurchsetzen Gelände, das wir querend nach rechts abfuhren. Hier konnten wir einige passable Pulverschneeschwünge zwischen den mächtigen Bäumen machen. Aber durch die Tatsache, dass diese Steilflanke vor einer Woche noch komplett aper war, hatten wir wegen der fehlenden Unterlage mehrmals Steinkontakt, dass natürlich den Spaßfaktor erheblich reduzierte. Besonders die beiden riesigen Schneemäuler mahnten uns zur Vorsicht und ließen uns kurz in einer sicheren Stelle zusammenkommen. Wir überlegten nur kurz und entschlossen uns, dass eine weitere Abfahrt zu nichts führen würde. Also bauten wir wieder unsere Felle auf die Ski und quälten uns den 40-45 Grad grundlosen Pulverhang hinauf. Wir mussten uns alle paar Höhenmeter abwechseln, um die schwere Spurarbeit zurück auf das Hochplateau zu schaffen. 

In der Steilflanke

Nach einer gefühlten Ewigkeit gelang es uns dann doch die zuvor abgefahrenen 450 Höhenmeter aufzusteigen. Oben angekommen, machten wir erstmal Pause und genossen an einer Windstillen Stelle unsere Brotzeit.

Anschließend ging es wieder weiter aufsteigend zurück auf das Plateau und zur Scharte. Da die Felle von Robert nicht mehr klebten und auch die Lust für einen weiteren Aufstieg nicht mehr vorhanden war, beschlossen wir beide abzufahren. Die anderen drei wollten noch einmal, nach einer kurzen Abfahrt auf einem Kamm aufsteigen.

 

Wir verabschiedenden uns von einander und fuhren mehr oder weniger am Aufstiegsweg zurück zum Parkplatz ab. 

Am Nachmittag senkte sich die Wolkendecke wie vorhergesagt. Die beiden Hörndlwand Gipfel sind kaum noch zu erkennen.

Fazit: Völlig unerwartet kam ich Ende März zum Tourengehen ins Chiemgau. In einer Jahreszeit, in der unter normalen Umständen die hohen Berge in Österreich und der Schweiz anvisiert werden, mussten wir Corona bedingt, die geplanten Ziel streichen. In den Chiemgauern, wo normalerweise in dieser Jahreszeit schon alles auf die Frühjahrs- und Sommerzeit ausgerichtet ist, konnten wir noch einmal Pulver genießen.

 

Trotz der hohen Niederschlagsmengen waren die Verhältnisse wie im Frühwinter, wo noch keine richtige Unterlage vorhanden ist. Deshalb hatte ich oft Felskontakt. Auch das Wetter war wie vorausgesagt eher dürftig. Zumindest hatten wir Sicht und die minimalen Schneefälle tagsüber hielten sich in Grenzen. Aber trotzdem war es ein schöner Tourentag. Und die Wolkendecke blieb tatsächlich bis Mittag über uns. Erst nachmittags trübte es auch uns ein.

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