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Klassische kleine Berchtesgadener Reibn

 

Teilnehmer: Helmut

Gipfel:

Schneibstein 2276m

Windschartenkopf 2211m

Fagstein 2164m

 

Skitour vom Parkplatz Hinterbrand

Schwierigkeit: ST II – 30Grad - 22km – 1675hm – 05:50h

Lawinenlage: 2

Ausrüstung: normale Skitourenausrüstung

 

Strecke: Parkplatz Hinterbrand 1132m – Jenner Skipiste – Mitterkaser Alm - Jenner Sattel - Stahlhaus – Schneibstein 2276m – Windscharte 2100m – Windschartenkopf 2211m – Fagstein 2176m – Hohe Rossfelder – Priesbergalm – Mittelstation Jennerbahn – Parkplatz Hinterbrand 1132m

 

Wetter: Traumhaftes Wetter, bis zum Schneibsteingipfel kalt, dann angenehm warm und wolkenlos, Ohne Wind.

 

Bedingungen: Alle Schneearten und meist verspurte Hänge, Abfahrt vom Windschartenkopf noch etwas hart und ruppig; Abfahrt vom Fagstein gut, oben Firn, weiter unten immer feuchter, aber noch gut fahrbar. Insgesamt noch gute Verhältnisse.

 

Die große Watzmann Ostwand und links davon der schneidige Große Hundstod

Wenn man dieser sehr eingeschränkten Reisefreiheit etwas Gutes abgewinnen will, dann ist es die Tatsache, dass man sich mit den heimischen Bergen und Tourenmöglichkeiten befassen kann. Nie wäre ich Ende März auf die Idee gekommen, die kleine Reibn zu gehen. Denn zu dieser Zeit pflege ich unter normalen Umständen eine meiner Lieblings-Bergsport-Disziplinen: Das Skihochtouren gehen, meist in Österreich und der Schweiz.

 

Den heutigen Tourentag verdanke ich also einer Pandemie und der für März in Bayern ungewöhnlichen Neuschneemenge in der letzten Zeit. Ich bin eigentlich nicht so der Gebietsdurchquerungstyp, weil man unter normalen Umständen bei solchen Unternehmungen meist von Scharte zu Scharte an den Gipfeln vorbeigeht. Nicht aber hier und heute. Mit dem Schneibstein, dem Windschartenkopf und dem Fagstein konnten Helmut und ich gleich drei Gipfel besteigen.

Schon beim Aufstieg auf der Piste ist die Aussicht gewaltig!

Endlich konnte ich wieder mit Helmut eine Tour gehen. Zeit wurde es! Wir fuhren gemeinsam zum Parkplatz Hinterbrand und stiegen die kurze wellige Waldpassage bis kurz vor der Jenner Mittelstation hinauf. An der Piste angekommen, schnappten wir uns eine der vielen Spuren und stiegen bei kühlen Temperaturen die verwaiste Piste auf. Als wir zwei Drittel des Pistenanstiegs hinter uns gebracht hatten, erreichten wir die Sonne. Endlich wurde es warm und so konnten wir bei angenehmen Temperaturen einen Ziehweg und später wieder, an der Mitterkaser Alm vorbei, auf einer Piste zum Jennersattel aufsteigen.

 

Von dort konnten wir unseren heutigen höchsten Punkt, den Schneibstein und die weitere Runde schon gut einsehen. Die gut angelegte Spur führte uns im Auf und Ab hinüber Richtung Schneibsteinhaus und Stahlhaus. Das Schneibsteinhaus rechts liegen lassend gingen wir hinüber zum geschlossenen Stahlhaus am Torrener Joch.

Das Schneibsteinhaus in Bildmitte mit dem Schneibstein im Hintergrund

Vom Joch steigen wir südwärts über einen gestuften Rücken zu einer Grube und später steil rechts hinauf. Über einen breiten Westrücken, bei dem einige Abfahrer noch Pulver fanden, erreichen wir kurze Zeit später den aussichtsreichen Schneibstein. Hier bläst uns ein kalter Wind entgegen und so entschließen wir uns gleich umzubauen und Richtung Windscharte abzufahren.

In der Windscharte machen wir unsere Gipfelpause. Helmut trinkt standesgemäß ein Märzen, ich bleibe doch lieber mein meinem bewährten Coca-Cola, da ich meine Sinne beisammen halten muss.

Hier in der Windstillen Scharte besprechen wir unsere weiteren Pläne. Als Varianten stünden Windschartenkopf und Fagstein parat, die man ohne nennenswerten Mehraufwand einfach mitnehmen kann und wir natürlich nicht vorbei marschieren wollen.

 

Als erstes steigen wir auf den Windschartenkopf, den wir über seine Nordostseite besteigen. Ein wunderbares Panorama eröffnet uns dieser unscheinbare Gipfel. Da wir aber noch einiges Vorhaben, bauen wir zügig um und fahren südwestlich ab. Als wir von oben den zerfahrenen Südwesthang sehen, befürchten wir schon schlimmes. Aber nur im oberen Teil war ein harter, dünner Deckel auf der mit großen Klumpen übersäten und zerpflügten Schneeoberfläche. Je weiter wir nach unten kamen, desto feuchter war die Schneeoberfläche und so besser war sie dann auch zu befahren.

Der Fagstein Gipfelgrat mit Watzmann Ostwand im Hintergrund

Wir ließen es weiter in südöstlicher Richtung laufen, bis wir am Fuß des Fagsteins stoppten und wieder unsere Felle auf die Ski klebten. Fast windstill geleiteten wir aufsteigend durch die riesige Schneeflanke. Eine sehr gute Spur führte uns in angenehmer Steigung nach etwa 150 Höhenmetern auf den Gipfel und zum schönen Holzkreuz. Hier hatten wir unsere ganze bisherige Route, die riesige Watzmann Ostwand und den Königssee im Blick.

 

Diese Aussicht toppt nochmal alles. Hochkönig, Steinernes Meer, Hundstod, Watzmann, Lattengebirge, Untersberg, Königssee mit Jenner und der hohe Göll. Man weiß gar nicht recht wo man zuerst hinschauen soll. Irgendwann können wir uns doch lösen und folgen den Abfahrtsspuren. Ich war erstaunt. Die ersten Schwünge fuhren wir im Firn ab! Cool! Das ging aber gut!

Am Fagstein Gipfel und im Hintergrund ist der bisherige Weg vom Schneibstein Gipfel erkennbar, rechts von Helmut ist der Windschartenkopf mit dem gefürchteten Südwesthang am rechten Bildrand.

Erst im mittleren Teil wurde der Schnee feuchter, ließ sich aber noch gut befahren. Wir querten nach Westen und später nach Norden und erreichten den Brotzeitfelsen. Hier bauten wir abermals unsere Felle auf die Ski und stiegen auf die hohen Rossfelder um wieder querend in nördlicher Richtung über einen markanten Kamm das Gelände der Priesbergalmen zu gewinnen.

Von der Alm fuhren wir immer rechts haltend hinunter in den Boden des Priesbergmooses. Steil, wie in einer ausgefahrenen Bobbahn gleiteten wir in einen Graben kurz vor der Königsbahnalm ab.

 

Bei einer Brücke endete kurz drauf unsere Abfahrt und wir bauten ein letztes Mal unsere Felle auf die Ski. Auf einem breiten Wanderweg, der uns durch sein auf und ab ganz schön ins Schwitzen kommen lässt, erreichen wir nach einer gefühlten Ewigkeit, die Jenner Mittelstation. Hier überquerten wir die Piste und fuhren zu unserem kleinen Waldstück vom Beginn unserer heutigen Tour. Den noch fälligen Gegenanstieg zum Parkplatz nahmen wir unsere Ski auf die Schultern und ließen den ereignisreichen Tag im wahrsten Sinne auslaufen.

In Richtung hohe Rossfelder...

Fazit: Ein Erlebnis der Sonderklasse das jeder Skitourengeher mal gemacht haben muss! Bei diesem Skitouren Klassiker konnte ich gewaltige Ausblicke auf die Berchtesgadener Alpen werfen. Perfektes Wetter und eine für März außergewöhnliche Schneelage bescherten uns einen Premium Tag! In unserer Variante mit Windschartenkopf und Fagstein ergibt sich allerdings eine Länge von 22 Kilometer und knapp 1700 Höhenmeter. Die Verhältnisse waren trotz der relativ warmen Temperaturen noch in Ordnung. 

 

 

Ich habe Blut geleckt, die große Reibn wartet. 

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