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Hochtouren in der Südlichen Ortlergruppe

Hochtourentage Südliche Ortlergruppe

Datum: 03.08.2015 – 06.08.2015

Teilnehmer: Robert, Andreas, Elke, Harry, Hans, Dax

Gipfel:

Punta San Matteo 3678m

Palon de la Mare 3703m

Monte Zebru 3735m, Abbruch 35Hm vor dem Gipfel.

Wetter: sonnig heiß, Wolkenloser Himmel, abends Quellbewölkung

Bedingungen: sehr schwierige Verhältnisse durch den Hitzesommer. keine Spaltenbrücken, bzw. Brücken halten nicht, teilweise Hausgroße Spalten offen, viel Blankeis

Strecke: Valfurva St. Catarina - Rifugio Branca 2493m - Forno Gletscher - Bivacco Meneghello - Punta San Matteo 3678m - Forno Gletscher - Rifugio Branca – Mare Gletscher – Palon de la Mare Gipfel – Mare Gletscher – Rifugio Branca 2493m - Valfurva St. Catarina – Valfurva Hotel – Valfurva St.Antonio - Taltaxi - Refugio V Alpini - Monte Zebru - Refugio V Alpini - Taltaxi - Valfurva St.Antonio

 

 

 

 

 

Diese Aussicht vom Rifugio Branca ist schon spektakulär.

Das Tourengebiet um das Rifugio Branca ist mittlerweile berühmt, weil man zum einen hier richtig hohe Gipfel besteigen kann und zum anderen von den Gipfeln tolle Aussichten genießen kann. Mitten im Nationalpark Stilfserjoch gelegen, kann man von der Hütte mittelschwere Touren unternehmen. Die Hütte selbst hat den Ruf, Ihre Gäste zu verwöhnen. Das wollten wir uns nicht entgehen und somit planten wir ein paar Hochtourentage auf der Hütte.

Wir fuhren mit dem Bus von Intersport Strohhammer über München, dem Fernpass, dem Reschenpass und dem Umbrailpass nach Bormio und schließlich zum Ausgangspunkt des Hüttenzustiegs nach Valfurva Sankt Catarina. Vom Parkplatz beim Gasthaus Ghiacciaio del Forni steigen wir den gut ausgeschilderten Weg zur Hütte. Nach gut einer Stunde erreichen wir diese und machen es uns in den Liegestühlen vor der Hütte gemütlich. Die Aussicht von unseren Liegeplätzen ist schon gewaltig. Abends besprechen wir unsere Tourenpläne mit dem Hüttenpersonal. Das Wetter ist gut, sehr gut, aber die Tourenbedingungen eher nicht. Laut dem Hüttenwirt sind viele Spaltenbrücken nicht mehr tragend bzw. nicht mehr vorhanden. Auch hätte es, nach dem Hüttenwirt, viele Blankeissstellen. Durch die heißen Tage in den letzten Wochen hat der Gletscher und auch die normalen Anstiegswege sehr gelitten.

Wir wollen uns selber von den Bedingungen überzeugen und wählen als ersten Gipfel die Punta San Matteo aus. Dieser, das Tal beherrschende Gipfel hat uns von Anfang an gefangen. Früh am Morgen, steigen wir zunächst in südlicher Richtung auf den Moränenkamm der gleich hinter der Hütte beginnt. Nach kurzer Zeit zweigt der Weg nach rechts ab.

Punta san Matteo 3678m

Unseren Gipfelerfolg feierten wir natürlich, wie es sich auf italienischen Hütten gehört, mit guten Italienischen Rotwein. Im Laufe des Abends kristallisierte sich unser morgiges Ziel heraus. Wir beschlossen den Palon de la Mare (3703m) einen Besuch abzustatten. Wiederum kletterten wir sehr früh aus unseren Schlafsäcken um die kühle des Morgens auszunutzen.

Zunächst steigen wir auf einem guten Pfad in südlicher Richtung auf den Moränenkamm, der gleich hinter der Hütte beginnt. Nach kurzem Anstieg verzweigt sich der Weg und wir folgen den linken, der weiter auf der Moränenkrone bleibt. Der Tag beginnt zu dämmern, und der Fornokessel beginnt zu glühen.

Im weiteren Verlauf führt uns der Pfad links haltend über einen Schuttrücken in eine kleine Bachsenke, wo wir einen Wegweiser finden. Wir folgen dem Wegweiser über eine kleine Felsstufe (UIAA I) auf einen Gratrücken. Wir steigen der Pfadspur am Gratrücken aufwärts. Unterhalb eines deutlichen Felszackens erreichen wir den Gletschereinstieg auf etwa 3200m.

Wir betreten den Gletscher und halten uns am orografisch rechten Teil des Gletschers. Oberhalb dieser Aufsteilung überwinden wir einige Spalten, die dem Ausmaß der gestrigen Tour nichts nachstehen. Den anschließend recht flachen Gletscherhang queren wir in südöstlicher Richtung bevor wir weiter oben, auf einen aufsteilenden Hang treffen. Hier wenden wir uns nach links Richtung Südgrat. Über diesen erreichen wir, nachdem wir eine etwa 3 Meter hohe Firnschneide erklettern müssen, den Gipfel. Freudig über unseren zweiten Gipfel machen wir ausgiebig Rast und fotografieren gefühlt die ganze Welt. Anschließend ging es wieder über unsere Aufstiegspuren zurück zur Hütte.

Da das Wetter nach dem Wetterbericht noch ein paar Tage halten sollte, beschlossen wir nach Sankt Catarina abzusteigen und uns dem Monte Zebru 3735m zuzuwenden. Der meist unbeachtete Mittelgipfel des Südtiroler Dreigestirns ist von der Italienischen Seite ein lohnendes Ziel. Besonders vom wunderschön gelegenen Refugio V Alpini ist der Anstieg ein landschaftliches Highlight.

Rifugio V. Alpini im Abendlicht

Auf diesem mit Steinmännern markierten Weg geht es über Moränenschutt hinunter zum Fornogletscher. Wir betreten den Gletscher auf der orgrafisch linken Seite, gleich überhalb eines großen Gletschertores.

Anschließend folgen wir der Mittelmöräne etwas nach rechts um die erste große Bruchzone zu umgehen. Wir versuchen diese sehr zerklüftete Spaltenzone durch einen Bogen nach links zu umgehen. Nach einigen Fehlversuchen fanden wir einen Weg durch das Spaltenlabyrinth und blieben auf dem flachen Mittelteil wieder links. Weit ausholend, in einen riesigen Linksbogen steigen wir Richtung Bicacco Meneghello und Punta Cadini auf. Nur dort fanden wir einen Durchschlupf zum oberen Teil des Gletschers. Von dort gehen wir weiter in Südöstlicher Richtung auf den Gipfel zu. Hier umgehen wir wieder einige große Längs- und Kreuzspalten. Wir gehen anschließend auf einen Mulde zu und an deren Ende klettern wir einen 40Grad steilen Hang hinauf. Oben angekommen, gelangen wir über eine steile, überwechtete Flanke zum Gipfel. Erst am Gipfel wird uns das Ausmaß unseres „Umwegs“, den wir verhältnisbedingt machen mussten, bewusst. Seit gut einer Woche war bei besten Wetter, keine Seilschaft mehr auf dem Gipfel. Wir hatten anscheinend guten Spürsinn bewiesen und einen Weg auf den Gipfel gefunden. Wir genossen die Aussicht vom Gipfel und stiegen nach einer kurzen Stärkung auf dem Anstiegsweg zurück zur Hütte.

 

Hochjoch Biwak mit König Ortler im Hintergrund

So stiegen wir nach Valfurva Sankt Catalina ab, suchten uns in Valfurva ein Hotel und genossen erst einmal eine kühle Dusche. Bei einem gemeinsamen Abendessen planten wir unseren Aufstieg zum Monte Zebru.

Von Valfurva Sankt Antonio fuhren wir mit dem Taltaxi durch das Zebrutal bis Baita del Pastore. Diese 10 Kilometer Fahrt dauerte 45 Minuten und sparte uns bestimmt einen drei Stunden Hatscher. Von Baita del Pastore folgen wir schließlich den sehr steilen Weg Nr.29 durch den von der Mittagssonne gnadenlos heißen Südhang zur 700Hm weiter oben liegenden Hütte. Wir starteten langsam und wollten nicht zu schnell in der Hitze aufsteigen aber schon nach kurzer Zeit entwickelte sich daraus ein Wettrennen. In knapp einer Stunde bewältigten die besten den Anstieg. Oben bei der Hütte angekommen genehmigte man sich erst einmal ein kühles Getränk, bevor man sich im Nebengebäude der Hütte gemütlich einrichtete. Robert und ich wollten den morgigen, nächtlichen Aufstieg nochmal abgehen und stiegen deshalb bis kurz vor dem Gletscher auf. Nach einem tollen Hüttenabend standen wir sehr früh auf und folgten den Steigspuren von der Hütte beginnend zum Beginn des Gletschers.  

Zunächst gilt es, den südlich, von der Königsspitze kommende Gletscherarm zu queren. Es lohnt sich hier nicht zu viele Höhenmeter zu machen, da man beim Überschreiten der Mittelmoräne diese wieder verliert.

Am anderen Ufer gingen wir dann, den Steinmännern und den Holzmarkierungen folgend über Schutt und erreichen so den NW-Arm des Zebru Gletschers. Den im mittleren Teil ziemlich zerrissenen Gletscher überwanden wir im rechten Teil. Weiter oben kommt uns auf der linken Seite der Ortlerpass ins Blickfeld, bevor wir nach ungefähr 2,5 Stunden das Hochjoch mit dem Biwak erreichen. Hier quert der normale Aufstieg den unteren Fuß der Nordwestflanke um an deren Ende über eine meist eisige Rampe zum Gipfelgrat zu gelangen. Da aber von unten die Nordflanke recht gut aussah, wollten wir diese bis zum Gipfel aufsteigen. Gesagt getan.

Vom Hochjoch steigen wir dann in Kehren die NW Flanke auf. Erst kamen wir recht flott im Trittfirn voran. Erst bei etwa 35 Grad, später erreichte dann die Flanke bis 50 Grad.

 

kurz unterhalb des Monte Zebru Gipfels.

Auf einmal kamen wir an ein riesiges Podest mitten in der Flanke. Eine riesige Spalte! 10 bis 15 Meter hoch, auf der ganzen Breite der Flanke überhängend. Wir gingen von rechts nach links und von links nach rechts, aber nirgend war ein Durchschlupf oder eine für uns kletterbare Stelle.

Wie vor dem Kopf gestoßen, standen wir 35 Höhenmeter unterhalb des Gipfels vor dem Ende. Vor dem Abbruch der Tour. Die letzten Hitzewochen haben den Gletscher auch hier ziemlich zugesetzt. Ich versuchte noch auf der rechten Seite der Flanke zum Normalweg zu queren, was mir aber auch nicht gelang. Ein Abbruch beziehungsweise Umkehr blieb uns nicht erspart.

Richtig enttäuscht stiegen wir die Flanke wieder ab, kamen aber alle nicht auf die Idee über den Normalweg den Aufstieg nochmal zu versuchen. Zeit wäre dafür noch genügend da gewesen. Wir stiegen in unserer Melancholie zurück zur Hütte ab. Erst kurz vor der Hütte fiel uns unserer Fehler auf. Da war es dann aber auch schon zu spät.

Wir stiegen zum Parkplatz Baita del Pastore ab und fuhren mit dem Taltaxi zurück nach Valfurva Sankt Antonio. Von dort ins heimische Niederbayern.

Hochjoch Biwak ganz unten mit Ortler Hintergrat im Profil

Fazit: Eine tolle Woche mit bestem Bergwetter und tollen Gipfeln. Leider haben wir uns selbst um den Gipfel des Monte Zebru gebracht. Einmal mehr haben uns diese Tage einen kleinen Vorgeschmack auf den Klimawandel gegeben. Wie werden wir zukünftig diese Berge besteigen können? Ich weiß es nicht. Die beiden Hütte sind sehr gemütlich und die Hüttenleute sehr hilfsbereit und freundlich.

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