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Hochtouren von der Gnifetti Hütte - Walliser Alpen

Hochtouren von der Gnifetti Hütte – Walliser Alpen

Datum: 05.08.2021

Teilnehmer: Robert, Andi, Elke, Tabea, Frank

Gipfel:

Signalkuppe / Punta Gnifetti 4554m - 35°

Zumsteinspitze 4563m – 35° / I+

Parrotspitze 4432m – 35°

Balmenhorn 4167m – B / I+

Vincentpyramide 4215m – 30°

 

Wetter: sehr kalt, viel Wind und etwa 30cm Neuschnee vom Vortag, am Vormittag sehr sonnig, am Nachmittag dichter Hochnebel dadurch keine Sicht

Schwierigkeiten: max. 35°/ B / I+ - 1600 Hm

Bedingungen: viel Neuschnee

Strecke: Alagna Valsesia - Bergstation Punta Indren - Rifugio Gnifetti 3647m – Signalkuppe – Zumsteinspitze – Parrotspitze – Balmenhorn – Vincentpyramide – Rifugio Gnifetti 3647m – Bergstation Punta Indren – Alagna Valsesia

 

Ausrüstung: Hochtouren Ausrüstung, 60m Seil, 40m Seil,

Widrige Verhältnisse beim Hüttenzustieg - Graupel und Nebel...

Bei der Frage, wie wir bei der unsicheren Wettervorhersage trotzdem noch ein paar schöne Erlebnisse im Hochgebirge haben könnten, fiel uns das Rifugio Gnifetti ein. Da sich ein Zustieg wetterbedingt von der Schweizer Seite nicht ausging, fuhren wir mit unserem Camper nach Alagna im Valsesia. Einem zauberhaften kleinen Walserdorf, das den alten Charme eines Bergsteigerdorfes behalten hat. Keine Bettenburgen, sondern kleine mit Steinplatten bedachte und mit viel Holz verkleidete Häuser. Im Ortskern schmale Gassen mit viel Blumen und Handwerk geschmückt. Wir fühlten uns sofort wohl. Der kleine aber gut ausgestattete Campingplatz am unteren Ortsrande war für uns perfekt. Fünfzehn Minuten Zustieg zur Pizzeria im Ortskern und Zwanzig Minuten Zustieg zur Bahn. Einfach perfekt!

Kurz nach der Hütte auf dem Lysgletscher.

Wie hatten uns einen Schlechtwettertag mit Regen im Tal und Schnee am Berg für den Hüttenzustieg ausgesucht, um so den vermeintlichen Schönwettertag auszunutzen. Über drei Stationen erreichen wir die Bergstation Punta Indren. Von dort sind es nur noch etwa eineinhalb Stunden Fußmarsch mit 400 Höhenmeter über versicherte Felsen, max. UIAA II und den unteren Ausläufern des Indren Gletschers. Ein abwechslungsreicher, nie langweiliger Aufstieg, der wegen des Schlechtwetters jedoch ohne Aussicht war. Bei der Hütte angekommen, waren wir dann doch etwas durchgefroren und durchnässt. Mit der guten Verpflegung auf der Hütte waren wir aber bald wieder auf Betriebstemperatur. Um 19 Uhr gabs dann ein Vier Gänge Menü mit Suppe, Nudeln, Fleisch und Pana Cotta als Nachspeise und das auf fast 3650 Meter. Schon Wahnsinn!

Als erstes sehen wir nach der kalten Nacht den Lyskamm im Licht erstrahlen.

Das Thema Wetter ist in diesem Sommer ziemlich schwierig. Auch für unseren morgigen Tourentag ist das Wetter nicht genau vorherzusagen, der Schweizer Wetterdienst sagte erst für den Nachmittag Wetterbesserung, der Italienische schon ab dem frühen Morgen. Wir hofften das der Italienische recht hat. Als wir ins Bett gingen, war vor der Hütte Schneefall und quasi keine Sicht ins Tal. Es half aber alles nichts, wir müssen das Wetter nehmen, dass es morgen früh hat. Müde und vollgefressen fielen wir nach dem Essen in unsere Schlafsäcke. Die Nacht sollte kurz werden und aus Erfahrung nicht recht erholsam auf 3650 Meter. 

Gewaltige Aussicht am Lysjoch. von v.l.n.r. Dufourspitze, Zumsteinspitze und Signalkuppe mit Cabanna Margeritha.

Über die Nacht kam starker Wind auf und es stürmte die ganze Nacht hindurch. Auch am Morgen um etwa 5 Uhr war der Wind noch da, jedoch nicht mehr so stark. Ein gutes hatte der Wind, er hat uns die Wolken weggeblasen und wir traten voll ausgerüstet mit Gurt und Seil aus der Hüttentüre in einen wolkenlosen, aber sehr kalten und windigen Morgen.

 

Nach einer kurzen Abkletterstelle standen wir auf dem Gletscher und reihten uns in die lange Schlage von Stirnlampen, die den Lysgletscher hinaufstapften. In einer frischen Spur, den die ersten in der Schlange in den etwa 20 bis 30 Zentimeter hohen Neuschnee machten, ging es recht gut. Wir kamen aber elendig langsam voran. Viele Seilschaften haben bereits hier auf dieser Höhe schon Schwierigkeiten und kommen langsam voran. Wir mit unserer Sechserseilschaft war es aber nicht möglich zu überholen, also müssen wir wohl oder übel hinterhergehen. Das ermöglicht mir allerdings viel Zeit zu fotografieren. 

Stürmische Verhältnisse kurz unterhalb des Colle Gnifetti, links ist schon die Singalkuppe zu sehen

Der Sonnenaufgang im Hochgebirge ist immer magisch und so kann ich mich gar nicht vom Handy lösen, als der Lyskamm von der Sonne beschienen wird. Auch zu meiner rechten wurde die Ludwigshöhe und das Schwarzhorn beschienen. Unglaublich diese kalte Morgenstimmung. Ich hatte durch das langsame Gehtempo große Schwierigkeiten mit der Kälte. Ich fühlte meine Zehen nicht mehr und am ganzen Körper zitterte ich trotz Daunenjacken und fünf Schichten. 

Nur noch wenige Höhenmeter zur Cabanna Margeritha auf der Signalkuppe.

Endlich am Lysjoch angekommen, erreichten uns die ersten Sonnenstrahlen. Ich genoss die Wärme, die allerdings nicht lange spüren konnte. Wir mussten ja weiter Richtung Signalkuppe, und die schneidige Parrotspitze rechterhand spendete uns dummerweise Ihren Schatten auf dem Weiterweg. Sofort war die Kälte wieder zu spüren. Die Aussicht ist schon gewaltig. Parrotspitze ganz rechts, dann die Signalkuppe mit der Capanna Margherita, die Zumsteinspitze, die Dufourspitze und links hinter mir, der Lyskamm. Das ist alles schon gewaltig und ich fühle mich schon sehr privilegiert. Wenn nicht diese Kälte in den Füßen wäre, wäre alles perfekt. 

Ziemlich durchgefroren auf der Signalkuppe.

Langsam queren wir unterhalb der Parrotspitze und erreichen bald drauf den Colle Gnifetti. Von dort zieht nach rechts eine nach oben hin aufsteilende Flanke zur Signalkuppe hinauf. Langsam mit einigen Pausen erreichen wir schon ziemlich geschafft den höchsten Punkt. Die Aussicht ist gewaltig, der Wind auch. Viele bekannte Walliser Berge kann ich erblicken und auch die Königin der Monte Rosa, die Dufourspitze. Ich schaue kurz in die Hütte, die auch als Versuchslabor für Höhenmedizin dient und habe einen positiven Eindruck. Vier aus der Gruppe gehen hinein, wollen sich aufwärmen und kaufen sich Tee und Cola. Ich geh aber mit Robert gleich weiter Richtung Zumsteinspitze, denn ich hoffte, wenn ich mein Tempo gehen kann, die Kalten Füße verschwinden. Mit den anderen wollen uns bei der Gnifetti Hütte wieder treffen. 

Der schöne Firngrat auf die Zumsteinspitze

Im Laufschritt jagen wir die gut ausgetretene Spur hinunter Richtung Colle Gnifetti und erreichen bald drauf den Einstieg zum Messerscharfen Grat hinauf zur Zumsteinspitze. Die Kälte macht mir nichts mehr aus, denn endlich geht es in meinem Tempo voran. Kalte Füße ade…

Mit Robert auf der Zumsteinspitze und im Hintergrund die Signalkuppe.

Kurz aber wunderschön ist der Anstieg und auf den letzten Metern müssen wir sogar noch einige felsige Passagen überwinden. Oben habe ich eine gewaltige Aussicht auf den schwierigen und völlig winterlich verschneiten Weg über den Südostgrat auf die Dufourspitze. Hinten spitzt das Nordend herüber. Herrlich! Nach ein paar Fotos steigen wir auf dem gleichen Weg wieder hinab zum Colle Gnifetti und gehen weiter hinab zum Einstieg der Parrotspitze am Seserjoch. Dort angekommen, geht jeder von uns wieder sein Tempo und so stehe ich, nachdem ich den schmalen Firngrat nach oben im Laufschritt gestiegen bin, im White Out auf dem Gipfel der Parottspitze. Eine seltsame, gespenstische Stimmung, ein wenig verloren stehe ich ganz alleine am höchsten Punkt. Links geht es ein paar tausend Meter hinunter, rechts über steile Hängegletscher auf den Normalweg zur Signalkuppe. Ich kann mich nicht entscheiden, wo ich runterfallen will, also bleibe ich konzentriert und warte auf Robert. Von Robert ist aber nichts zu sehen, auch keine Anderen sind zu sehen. Endlich höre nach Minuten der Stille wieder Stimmen. Wie aus dem Nichts kommen drei Franzosen am Seil, von der Seite der Ludwigshöhe heraufgestapft. Ich lasse sie zum höchsten Gratbuckel durch und sehe aus dem Nebel den Robert kommen. Er ist schon ziemlich langsam unterwegs aber jetzt ist er ja da. Wir gratulieren uns zum Gipfel und wollen gleich weiter und die Parrotspitze zu überschreiten. Im dichten Nebel, mit kaum 5 Meter Sicht, verlassen wir uns auf die Spur und stehen bald drauf im Piodejoch, neben der Ludwigshöhe. Wir wollen aber wegen dem Nebel die Spur nicht mehr verlassen und besteigen deshalb die Ludwigshöhe nicht. Die Richtung stimmt und so lockert sich bald unsere Anspannung. 

Gespenstische Stimmung auf dem Gipfelgrat der Parrotspitze. 

Die Orientierung ist weiterhin schwer aber auf der breiten Spur erreichen wir bald das Balmenhorn, ein pseudo 4000er, auf dem eine übermannshohe Jesusstatue steht. Über einen kleinen Klettersteig erreichet man nach etwa 30 Meter den höchsten Punkt. Auch ein vollausgestattetes Biwak, das heute in einem guten Zustand war, ist ein wenig unterhalb des Gipfels. Schnell verlasse ich den Gipfel auf dem gleichen Weg und gehe mit Robert weiter Richtung Col Vincent. Dort abgekommen steige ich noch spontan auf die Vincentpyramide, die ich dann auch nach 23 Minuten erreiche. Leider wurde mir die Aussicht von der starken Bewölkung genommen. Ich mache kurz ein paar Fotos und steige dann wieder zu Robert zum Col hinab. 

Balmenhorn - ein Pseudo 4000er.

Unten angekommen, trinke ich kurz was und schiebe einen Riegel in den Mund. Dann nehme ich das Seil wieder auf die Schulter und wir steigen die letzten 500 Höhenmeter hinab zur Gnifetti Hütte. Dort warten die anderen vier schon auf uns. Wir machen noch ein Gruppenfoto vor der Hütte und steigen dann den Weg zur Bergstation ab, der bei schönem Wetter um ein Vielfaches schöner ist. 

Solo auf der Vincent Pyramide.

Fazit: Für mich war dieser Tag ein Wechselbad der Gefühle. Zum einen hatte wunderbare Momente auf diesen hohen Bergen und zum anderen unglaublich harte Momente beim Aufstieg wo die Kälte und die Langsamkeit unserer Bewegungen mich fast zur Verzweiflung gebracht hat. Das wir, wie auch schon den ganzen Sommer über keine stabilen Wetterverhältnisse haben werden, dass wussten wir. Wir haben, mit höchster Flexibilität, das beste aus der Sache gemacht.

 

Danke an die vier Kollegen, die auf der Cabanna Margherita uns „vom Seil“ ließen. So konnten Robert und ich noch einige 4000er machen. 

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