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Alpiner Grundkurs EIS - Wiesbadener Hütte - DAV Straubing

Alpiner Grundkurs „Von Wanderer zum Bergsteiger“ Schwerpunkt Eis

Datum: 22.08.2020 – 24.08.2020

Teilnehmer: Jochen, Alexander, Konstantin, Christopher, Michael

 

Gipfel:

Piz Mon 2983m

Vermuntkopf 2851m

Piz Buin 3312m

 

Schwierigkeiten: Eis und Schnee 35 Grad, UIAA II

 

Strecke: Bieler Höhe - Wiesbadener Hütte - Vermuntgletscher - Vermuntpass - Piz Mon - Vermuntpass - Vermuntgletscher - Wiesbadener Hütte - Tiroler Gletscher Rest - Vermuntkopf - Wiesbadener Hütte - Kletterwand Wiesbadener Hütte - Ochsentaler Gletscher - Buin Lücke - Großer Piz Buin - Buin Lücke - Ochsentaler Gletscher - Wiesbadener Hütte - Bieler Höhe

 

Wetter: Tiefdrucklage, äußerst unsichere Wetterbedingungen, Schneefallgrenze bei 2800m, Von Sonntag auf Montag Durchzug einer Kaltfront, anschließend kühlere Temperaturen.

Dunkle Wolken am Parkplatz und auf dem Weg zur Wiesbadener Hütte

Wie schon den ganzen Sommer über, fand sich auch beim anstehenden Ausbildungskurs des DAV Straubings, keine stabile Hochdrucklage. Dennoch wollte ich den Kurs nicht absagen. Zum einen, weil sich die Teilnehmer schon lange drauf freuten, Urlaub genommen hatten und zum anderen, weil man ja die Ausbildung bei Schlechtwetter auch Hüttennah machen kann. So kann man bei einer Wetterverschlechterung jederzeit Unterschlupf auf der nahen Hütte suchen.

 

Für die heurigen Kurs hatte ich mir die Wiesbadener Hütte in der Silvretta ausgesucht. Ein vom Hauptverein oft benutzter Stützpunkt für die Fachübungsleiter / Trainer Ausbildung und deshalb bestens für einen Hochtouren Grundkurs geeignet.

Die Wiesbadener Hütte mit Vermuntkopf links, Piz Jeremias und Piz Mon ganz hinten. Ganz rechts ein kleiner Teil von Piz Buin.

Nach einer problemlosen Anreise über den Fernpass kamen wir via Silvretta Hochgebirgsstraße auf der Bieler Höhe an, um den schweren Rucksack mit dem ganzen Ausrüstungsmaterial zur Wiesbadener Hütte hinaufzutragen. Dicke Regenwolken und Hochnebel waren stetige Begleiter beim Aufstieg, die aber ihre nasse Fracht noch nicht herunterfallen ließen. Bei der Hütte angekommen, entledigten wir uns den nicht zur Ausbildung benötigten Sachen und marschierten nach einer kurzen Pause Richtung Vermunt Gletscher. Dort wollten wir uns das Rüstzeug für die kommenden Tage antrainieren. Denn die elementare Steigeisen und Pickeltechnik sind wichtige Bestandteile der Ausbildung zum eigenständigen Hochtourengeher. Das Wetter und die Sicht waren nicht gerade berauschend, aber es blieb trocken und das war das Wichtigste.

 

Nachdem jeder Teilnehmer die Grundzüge der Steigeisen und Pickeltechnik geübt und verinnerlicht hatte, stellten wir uns in Seilschaft auf und gingen die ersten Meter Richtung Vermunt Pass, der auch als Übergang in die Schweiz benutzt wurde. Oben angekommen, wollten wir den ersten Tag noch mit einem Gipfel ausklingen lassen. Die Zeit bis zum Abendessen würde noch reichen und so bestiegen wir den über grobes Blockwerk und leichter Kletterei erreichbaren Piz Mon, 2982m. Nach ein paar Bildern und einer sehr beschränkten Aussicht, stiegen wir auf dem gleichen Weg zurück zum Pass und seilten uns für den Rückweg zur Hütte an. Kurze Zeit später saßen wir alle auf dem Tisch und freuten uns auf das Drei Gänge Menü. Da der erste Tag mit Anreise und Gletscherausbildung sehr anstrengend war, wurde die noch geplante Ausrüstungskunde sehr kurz gehalten. Schon bald darauf verabschiedete sich ein Teilnehmer nach den anderen und ging aufs Zimmer. 

Elementare Steigeisen- und Pickeltechnik am Vermuntgletscher.

Gut ausgeschlafen traf man sich um halb 7 zum Frühstücken. Da über die Nacht eine Kaltfront mit Starkregen über das Gebiet der Wiesbadener Hütte gezogen ist, war es heute Morgen noch ziemlich nass. Dicke Regenwolken hingen über unsere Köpfe. Da fiel uns die Entscheidung Tour oder Ausbildung nicht schwer. Wenn das Wetter keine anständige Tour zulässt, machen wir halt Ausbildung, denn dafür sind wir ja auch da.

 

Lose Rolle üben auf dem Tiroler Gletscherrest - Spaltenbergungstechnik

Um die Spaltenbergung zu erlernen, schlugen wir einen Weg zur Tiroler Scharte ein. Hier sollten wir unterhalb der Scharte, auf den Resten des ehemaligen Tiroler Gletschers, optimale Bedingungen für die Lose Rolle, einer effektiven Spaltenbergungstechnik vorfinden. Nach etwa der Hälfte des Aufstiegs, fing es zu graupeln an. Später rieselten dann richtige Schneeflocken auf uns herab. Nach gut 1,5 Stunden Aufstieg, begannen wir mit der Schaffung eines T-Ankers, der einzigen, sicheren Möglichkeit eines Fixpunktes im Schnee. Das klappte schon auf Anhieb sehr gut, so dass wir uns kurze Zeit später der „Losen Rolle“ zuwenden konnten. Jeder konnte die Abläufe und Techniken der drei Positionen in einer „Losen Rolle“ durchspielen. Nach gut zwei Stunden Üben und Knoten knüpfen, begannen wir mit dem Rückweg zur Hütte. Bei einer Weggabelung entschieden sich drei der Gruppe noch den einfachen Anstieg zum Vermuntkopf anzutreten. Die anderen drei hatten genug vom Schnee und Schlechtwetter und wollten sich auf der Hütte aufwärmen. Der Anstieg zum Vermuntkopf war unter normalen Bedingungen kaum schwerer als eine Bergwanderung. Jedoch bei Hochnebel und nassen, beziehungsweise Schneebedecktem Fels ein anspruchsvolles Unternehmen. Nach einigen Verhauern fanden die drei dann doch noch den Gipfel auf 2851m. Anschließend ging es dann auch für die Gipfelbesteiger zurück zur Hütte. Dort holte man sich dann die nötige Kraft für den zweiten Teil der Ausbildung am Nachmittag.

Dieser zweiter Teil sollte dann am nahen Hütten Klettergarten stattfinden. Die Selbstrettung aus eine Spalte sollte eigentlich jeder Hochtourengeher beherrschen. Denn nur mit dieser speziellen Technik ist man fähig sich eigenständig aus einer Spalte zu retten. Mit Garda Klemme und Prusik übten die Teilnehmer sehr engagiert. Am späten Nachmittag ging man dann, nachdem es empfindlich kühl geworden war, zurück zur Hütte.

 

Nach dem wiederum hervorragenden Abendessen wurde mit der Planung für eine große Tour am nächsten Tag begonnen. Das Wetter war zwar immer noch nicht Hochtouren geeignet, aber zumindest wollten wir es versuchen. Teilweise eingeschränkte Sicht und unergiebiger Niederschlag waren vorausgesagt. Aber zumindest den immer noch sehr sehenswerten Ochsentaler Gletscher wollte man sich von nahem ansehen. 

Vermuntkopf mit genialer Aussicht.

Voll ausgerüstet und mit dem Wissen der letzten Tage starteten wir als erste von der Hütte. Über wilde Gletscherbäche und auf Grund des Gletscherrückgangs anspruchsvollen Wegführung erreichen wir nach etwa 1,5 Stunden, den Anseilplatz am Fuße des Gletschers. Der apere und sehr zerrissene Gletscher stellte uns das eine oder andere Mal vor schwierigen Querungen und weite Sprünge, die aber alle sicher und gekonnt von den Teilnehmern überwunden worden. Ausbildung zahlt sich also doch aus. 

Am Zustiegsweg zum Ochsentaler Gletscher

Erst als im oberen Bereich, dem Nährgebiet des Gletschers, eine Schneedecke auf dem Eis lag, wurde die Wegfindung leichter und wir kamen nach etwa drei Stunden an der Buin Lücke zwischen Großen und kleinen Piz Buin an. Schon ein seltsames Gefühl so ganz allein an der sonst so belebten Scharte zu stehen. Weit und breit keine Seilschaft in Sicht. So stiegen wir ohne Stress in den felsigen Schluss Anstieg zum höchsten Gipfel des Bundeslandes Vorarlberg ein. Erst über Blockwerk, später dann über eine mit UIAA II bewertete, eisige und mit Raureif behaftete Rinne, in der uns unsere Steigeisen großartige Dienste leisteten, kletterten wir gen Gipfel. Das letzte Stück zum großen Gipfelkreuz war dann wieder leichter und wir stiegen in steilen Serpentinen zum höchsten Punkt. Oben wurde kräftig abgeklatscht, denn es war für alle der Teilnehmer eine „Neue höchste Höhe“. Nach ein paar Bildern ging es den gleichen Weg wieder zurück zur Buin Lücke. Hier kamen uns dann doch die ersten Seilschaften entgegen. Aber mit Rücksicht und Absprache kam man Problemlos nebeneinander vorbei.

der apere und zerrissene Ochsentaler Gletscher

An der Buin Lücke angekommen, ging man wieder ans Gletscherseil und stieg den Ochsentaler Gletscher hinab zum Anseilpunkt. Hier entledigte man sich der Gletscherausrüstung und ging den „Steinmännern und Steinfrauen“ folgend zurück zur Wiesbadener Hütte. Da man durch das schlechte Tourenwetter alle Ausbildungsinhalte an den ersten beiden Tagen machen konnte, wurde beschlossen, da sich die Großwetterlage auch nicht änderte, nach Hause zu fahren.

 

Nach einem ausgiebigen Mittagessen auf der Hütte stieg man ab und fuhr in den Fahrgemeinschaften zurück ins heimische Niederbayern.

Am Höchsten Punkt Vorarlbergs. Piz Buin 3312m

Fazit: Trotz des schlechten Wetters haben wir den Kurs mit allen Ausbildungsinhalten plus großer Tour auf den Piz Buin durchziehen können. Die Teilnehmer waren wissbegierig und machten sehr gut mit. Es war mir wieder mal eine Freude einigen Menschen das grundlegende Rüstzeug für das Hochtourengehen beibringen zu können. Besonders freute mich das mit Alexander und Konstantin ein 15-Jähriger und ein 13-Jähriger an der Ausbildung teilnahmen und sich echt gut anstellten.

 

Es ist schon erschrecklich, wie sehr die Gletscher im Tourengebiet zurückgegangen sind. Der Vermunt Gletscher ist in mehrere Teile zerfallen, der Ochsentaler Gletscher nur noch über eine unglaublich steile Schotter und Dreckflanke erreichbar. Der Tiroler Gletscher zur gleichnamigen Scharte ist quasi nicht mehr vorhanden. Trotzdem werde ich das Tourengebiet der Wiesbadener Hütte noch öfter besuchen, da es mit dem Silvrettahorn und der Dreiländerspitze noch interessante und anspruchsvolle Hochtourenziele für mich bereit hält.

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