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Weissseespitze 3518m Nordwand

Weisssespitze Nordwand

Datum: 22.06.2012 und 23.06.2012

Teilnehmer: Thomas

Gipfel:

Weissseespitze 3518m

Schwierigkeiten: 50° /450hm – 800hm

Wetter: passables Wetter vorausgesagt, leider waren die hohen Berge im Nebel.

Strecke: Parkplatz Kaunertaler Gletscherbahn 2750m - Weißseespitze Nordwand – Weißseespitze Gipfel 3518m - Westgrat - Falginjoch - Parkplatz Kaunertaler Gletscherbahn

Bedingungen: Erster Wandteil sehr Schneereich, aber trittfester Firn. Flaches Mittelstück sehr viel Schnee und Einbruch bis Hüfte. Im dritten Teil Blankeis! Auf dem Gipfelplateau nur 2-3m Sicht. Nebel / whiteout. Große Schwierigkeiten bei der Wegfindung.

Ausrüstung: Hochtouren und Steileisausrüstung, je Teilnehmer 3 Exen, 3 Eisschrauben. 50m Seil

 

Nachdem ich an der Zuckerhütl Nordwand ein wenig Steileisluft geschnuppert habe, wollt ich das ein wenig weiterführen. Ich fragte unter Woche bei den in unserer kleinen Kletterhalle Alpenvereinskollegen an, ob jemand Interesse an der Weissseespitze Nordwand hätte. Thomas war gleich dabei und wir machten für das kommende Wochenende, das passables Wetter versprach, fest. Thomas ist Fachübungsleiter Alpinklettern und für diese Aufgabe der beste Partner, den man sich wünschen kann.

Gesagt getan. Wir fuhren am Samstagnachmittag daheim los, um in den Abendstunden beim Parkplatz der Kaunertaler Gletscherbahn Talstation zu übernachten. Leider war die Schranke bereits runter, somit mussten wir kurz unterhalb des Parkplatzes neben der Straße in Thomas Auto übernachten.

Das war für uns aber kein Problem, denn die paar Minuten Zufahrt am Morgen sollten uns nicht von unserem Ziel abhalten. Nach einer angenehmen Nacht im Schlafsack machten wir uns am nächsten Morgen bereit zum Parkplatz und zum Ausgangspunkt zu fahren. Als erste, nach Schrankenöffnung fuhren wir zum Parkplatz hoch. Wir packten unseren Rucksack und wanderten die ersten Meter über eine Skipiste zur bereits sichtbaren Nordwand rüber.

An der Wand angekommen, stiegen wir ohne Probleme über den noch harmlosen Bergschrund. Im unteren, ersten Drittel kamen wir recht gut voran. Wir hatten zwar Gurt und Schlosserei und die Steileisgeräte angezogen beziehungsweise bereit, aber wegen der guten Verhältnisse verzichteten wir auf ein Seil. Wir stiegen flott hinauf, überkletterten einen steileren Eisbuckel, bis wir im flacheren Mittelteil fast im Schnee versanken. Knie- bis Hüfttief lag hier der Schnee und wir mussten richtig kräftezehrend spuren. Ich stieg voraus bis wir zum letzten Drittel der Wand kamen, hier empfing uns Blankeis mit einer leichten Krustenschneeauflage. Wir überlegten kurz ob wir das Seil herausnehmen sollten, aber wir fühlten uns gut, somit versuchten wir es weiterhin ohne. Wir kletterten nebeneinander. In gleichbleibender Steilheit kletterten wir auf dem harten Untergrund höher.

Kurz vor dem Ausstieg auf dem Gipfelplateau, bei einer kleinen Verflachung, packten wir das Seil raus, um über das spaltenreiche Gipfelplateau zum für uns noch nicht sichtbaren Gipfelkreuz zu gelangen. Am Ausstieg angelangt standen wir im White Out. Mit quasi Null Sicht studierten wir nochmals Karte und Topo und stiegen im Blindflug auf dem Plateau rum. Wir steuerten grob die Richtung an, die wir in der Karte festgelegt haben. Aber erst durch eine kleine Wolkenlücke konnten wir glücklicherweise kurz das Gipfelkreuz sehen, dass etwa 50 Meter von uns entfernt stand. Hier hatten wir schon gewaltiges Glück, denn wir wanderten schon einige Zeit auf dem Plateau rum. Durch den kurzen Auflockerer fanden wir das Gipfelkreuz und den höchsten Punkt der Weissseespitze. Glücklich über die Durchsteigung der Nordwand und das Finden des Gipfelkreuzes machten wir ein paar Fotos und stiegen anschließend Richtung Westgrat ab. Die obligatorische Gipfelbrotzeit verschoben wir auf später.

Vom Gipfel stiegen wir in tiefem Schnee Richtung Falginjoch und über den unschwierigen Westgrat (Stellen UIAA I) ab. Durch die eher schlechten Sichtverhältnisse blieben wir relativ lange am Westgrat ehe wir zur schon sichtbaren Skipiste hinüberquerten. Der restliche Rückweg zum Parkplatz war nur noch Formsache.

 

 

Fazit: Schöne aber kurze Einsteige-Eiswand die vor allem wegen der guten Infrastruktur nicht unterschätzt werden sollte. Auch wegen des kurzen Zustieges ein interessantes Ziel, mit schönem Ausblick auf die Ötztaler Alpen und die Ortlergruppe. Wir hatten passables Wetter und akzeptable Bedingungen. Ginge schon besser. Aber ich habe viel gelernt was das Einschätzen der Bedingungen und das Abschätzen des Risikos betrifft. Haben alles Richtig gemacht. Das Seil auf dem Plateau ist ein Muss. Da gibt es riesige Spalten.

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