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Bishorn 4153m - Walliser Alpen

Bishorn Singlepush vom Tal

 

Datum: 27.07.2020

Teilnehmer: Robert

Schwierigkeiten: UIAA I+ kurze Stelle direkt vor der Hütte / max. 35° - 2500hm

Gipfel:

Bishorn 4153m

Bedingungen: Beste Verhältnisse, Gletscher morgens noch hart, Beim Abstieg leicht aufgefirnt. Spaltenbrücken noch zu.

Wetter: Perfektes Wetter, am Gipfel böiger Wind, nachts Sternenklar, im Tagesverlauf harmlose Quellwolkenbildung, Im Tal heißester Tag des Jahres, 28 Grad in Zinal

Strecke: Parkplatz am südlichen Ende von Zinal 1675m – Alpe Le Tracuit Ciesso 2061m – Cabane de Tracuit 3256m – Turtmann Gletscher  - Nordwestflanke – Ostgrat – Gipfel Bishorn 4153m – Ostgrat – Nordwestflanke – Turtmann Gletscher – Cabane de Tracuit 3256m – Alpe Tracuit Ciesso 2061m – Parkplatz Zinal

 

 

 

Auf dem Turtmann Gletscher in Richtung Bishorn. Ungewöhnlicher Blick auf das Weißhorn.

Es war schon bisher ein verkorkstes Bergjahr. Nach einem guten Start Anfang des Jahres mit vielen Plänen, kam dann Corona und verhinderte alle meine heuer auf Skihochtour ausgerichteten Touren. Dann kam der Sommer, der sich bisher irgendwie gar nicht entscheiden kann, was er für ein Wetter haben möchte. Nix stabiles, ein, zwei Tage Schönwetter, dann kam wieder eine Abkühlung mit Regen. Was den Bauern recht passen sollte, ist den Bergsteigern und den Herren und Damen der Wetterleitstelle in Innsbruck ein Graus. Es kann einfach nichts geplant oder vorhergesagt werden, sondern muss spontan, den aktuellen Verhältnissen angepasst werden. Ebenso ging es meiner für Ende Juli geplanten Monte Rosa Überquerung. Von den fünf Tagen blieben uns eineinhalb Tage, die sich nur mit einem Gewaltakt nutzen ließen.

Gesagt, getan. Robert und ich fuhren ins Wallis, mit dem Ziel das Bishorn 4153m vom Tal in einem Zug zu besteigen und anschließend wieder zurück zum Parkplatz abzusteigen. Ein gewaltiges Programm mit über 2500 Höhenmetern im Auf- und Abstieg.

Wir packten meinen Caddy voll und fuhren nach Zinal, wo wir gegen halb neun am kostenlosen Parkplatz, am südlichen Ende parkten. Ein kostenloser Parkplatz in der Schweiz gibt es wahrscheinlich nur noch hier im herrlich ursprünglichem Val d`Annivers.

Eine grandiose Aussicht von der Cabane de Tracuit. Zinalrothorn, Obergabelhorn und Trabanten

Während Robert gleich noch die ersten Meter des Hüttenzustiegs checkte, baute ich meinen Caddy auf das neu gebaute Caddybett um. Anschließend wurde noch die für morgen benötigte Ausrüstung sortiert und in unsere Rucksäcke verpackt. Auch Startzeit und Ablauf wurden noch kurz besprochen. Jetzt konnten wir noch ein wenig Brotzeit machen, ehe wir dann eh schon in unseren Schlafsäcken verschwanden.

Um 2:45Uhr klingelte der Wecker. Schwer kamen wir nach der langen Autofahrt und der kurzen Nacht aus den Schlafsäcken. Der mitgebrachte Kuchen schmeckte nicht und auch die dringend benötigte Wasserzufuhr klappte nicht recht. Nachdem wir alles beisammen hatten, starteten wir um 3:15Uhr vom Parkplatz. Der Weg führte uns erst zurück ins Dorf Zinal. Dort führt ein schwach markierter und beschildertet Weg östlich aus dem Dorf in einen lichten Bergwald. Etwas verwirrend folgen wir erst einer geteerten Straße, dann am Ende, eines kleinen Parkplatzes, dem versteckt angebrachten Wegweiser Schild Richtung Alpe Tracuit Ciesso auf 2061m. Wir wollten es langsam angehen lassen, denn wir hatten noch einiges vor heute. Abwechselnd machten wir ein gutes Tempo. An der Alpe angekommen, folgen wir den spärlichen gelben Markierungspunkten, die in der Nacht echt schlecht zu erkennen sind, auf eine Steilstufe zu. Diese überwinden wir in steilen Serpentinen, ehe wir am oberen Ende, beim Wegweiser, den linken Weg zur Alpe Composana einschlagen. Neben uns rauscht der Bauch in die Tiefe und macht einen ohrenbetäubenden Lärm. Mittlerweile beginnt es zu dämmern und in der Hütte, der Cabane de Tracuit, die wir bereits von weitem sehen können, brennt das Licht. Hier machen sich die Bergsteiger schon bereit. Auch das großartige Weißhorn, der schönste Berg der gesamten Alpen, ist von seiner eher unbekannten Westseite schon im Dämmerlicht zu erkennen. An einem weiteren Wegweiser gehen wir wieder nach links und erreichen bald durch Schutt und Schotter, die letzten Höhenmeter zum Col de Tracuit. Hier ist die klettertechnische Schlüsselstelle. Eine 15 Meter hohe Steilwand, die aber gut mit Ketten versichert ist. Auch ohne Kettenbenutzung überschreitet diese Stelle nicht UIAA I+.

Cabane de Tracuit und im Hintergrund Bishorn und Weißhorn mit Grand Gendarm

Auf dem Col angelangt, führt ein schmaler Steig oberhalb des Turtmanngletschers zur Hütte, auf 3256m, die wir nach drei Stunden erreichten. Hier ziehen wir uns im windgeschützten Schuhraum um und bereiten und für den Gletscher vor. Wir ziehen Gurt und Bergschuhe an und starten kurze Zeit später Richtung Gletscher. Im Blockwerk und Schutt folgen wir den Steinmännern und Pfadspuren entlang einer schwarzen Wasserleitung zum Turtmanngletscher. Hier bereite ich mein neues, leichtes Halbseil vor und wir binden uns ein. Von hier steigen wir den bockharten Gletscher in östlicher Richtung auf einer guten Spur eher wellig bis zu Punkt 3540m, unterhalb der Nordwestflanke des Bishorns. Wir haben echt beste Verhältnisse, ohne auch nur einen Zentimeter einzubrechen, erreichen wir die etwa 500m hohe obere Nordwestflanke. Hier wenden wir uns nach Südost und visieren in zahlreichen Kehren die Einsattelung zwischen Hauptgipfel rechts und Nebengipfel Pointe Barnaby an. Hier müssen wir schon etwas kämpfen, denn nicht nur die schon bereits bewältigten 2000 Höhenmeter merken wir in den Beinen, sondern auch der etwa 20 Zentimeter tiefe Pulverschnee lässt sich nicht einfach begehen. Immer wieder pausieren wir und schauen wir die unglaubliche Aussicht an. Berner Oberland, Mont Blanc, Grand Jorasses und viele andere. Wir können und gar nicht trennen. Aber eine uns überholende Frauenseilschaft holt uns wieder in die Wirklichkeit zurück. Auf dem Sattel angekommen, steigert sich die Aussicht um ein vielfaches. Wir haben ein wenig rumgezählt. 4000er um 4000er reihen sich hier aneinander. Vom Sattel steigen wir ohne Rucksack und Seil die letzten Meter auf einem Firngrat zum ungeschmückten Gipfel auf 4153m, den wir nach 6.30h erreichten und der auch den Beginn des Weißhorn Nordgrats markiert.

Auf dem Bishorn Gipfel, dem Beginn des legendären Weißhorn Nordgrat 

Am Fuße des Weißhorn Nordgrats angekommen, merken wir erstmal die Dimension des Grates. Auch der eindrucksvolle Hängegletscher der Weißhorn-Nordostwand ist gewaltig. Ich weiß nicht, ob es einen schöneren Aussichtspunkt in den Alpen gibt, wo man mehr namhafte Berge sieht. Angefangen bei Dent Blanche, über Obergabelhorn, Zinalrothorn, Mont Blanc Gruppe, Grand Jorasses Gruppe, Dent Herens, Weißhorn, Monte Rosa Gruppe, Strahlhorn, Rimpfischhorn, Alalinhorn, Alphubel, Täschhorn, der Dom und die gesamte Berner Oberland Gruppe um nur einige der bekanntesten zu nennen, können wir bewundern. Unglaublich, uns fehlen die Worte.

Irgendwann müssen wir uns dann doch von der Aussicht trennen und steigen zurück zum Sattel. Von da wieder auf dem kürzesten Weg zurück zur Hütte. Dort machen wir erstmal Brotzeit bevor wir uns an den restlichen Abstiegsweg von 1500 Höhenmetern machen. Völlig geplättet von den Eindrücken der letzten Momente, steigen wir auf bereits bekannten Weg zurück zum Parkplatz. Der abwechslungsreiche Weg durch die mit Bergblumen übersäten Almen war wunderschön. Überall summte und brummte es. Schmetterlinge, die ich noch nie zuvor gesehen hatte waren beim Nektar sammeln. Schön, dass es solche Naturhabitate noch gibt.

Die Erschöpfung am Parkplatz ist zwar deutlich spürbar, aber dennoch nicht so schlimm wie befürchtet, nach so einem „Single-Push“ wie es im Neudeutsch heißt. Wir hielten erstmal unsere Beine in den kalten Bergbach, der am Parkplatz vorbeifließt bevor wir klärten, was wir angesichts der schlechten Wetterprognosen hier noch anstellen könnten. Leider ließ uns das Wetter keine andere Wahl als abzubrechen und heimzufahren. Trotzdem hatten wir hier eine tolle Zeit und das Positive überwiegte klar.

Im Vordergrund der untere Weißhorn Ostgrat und im Hintergrund Monte Rosa mit Trabanten

Fazit: Schon länger wollte ich mal einen 4000er von Tal aus gehen. Da es sich dann, von den technischen Anforderungen, um einen eher leichteren Gipfel handeln muss, war mir klar. Heute passte einfach alles um dieses Projekt zu machen. Ein fitter Partner, sternenklarer Himmel um die nächtliche Abstrahlung zu gewährleisten, gutes Wetter. Heute hatte alles gepasst. Das Bishorn selbst, war für mich nie ein begehrtes Ziel. Ich sah es immer als einen Gratbuckel des Weißhorn Nordgrats.

Meiner Meinung nach, müsste man generell bei der UIAA 4000er Liste die eine oder andere 4000er Gipfelernennung aberkennen, denn da spielte wohl eher die touristische Vermarktung eine Rolle, als die wirkliche Eigenständigkeit einiger „Hügel“. Aber nehmen wir es mal so, wie es ist. Das Bishorn ist nach UIAA Bewertung ein 4000er Gipfel und wir waren heute droben. Wir hatten die weltbeste Aussicht, die ich nicht missen möchte und mein Wunsch nach einer Weißhorn Besteigung wuchs enorm. Irgendwie war es von vorne bis hinten eine Runde Sache. Dieses fränzösische Annivers Tal mitten in der Schweiz ist ursprünglich, wild, und nicht, wie das Martertal total verbaut. Auf den Almen fand ich eine bisher noch nie so brummende Fauna und Flora.

Danke an meine Familie, die mir so spontan den Freiraum ermöglichte und an Robert fürs mitgehen.

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