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Watzmann 2713m Große Ostwand - Berchtesgadener Weg - Berchtesgadener Alpen

Groß und mächtig, Schicksalsträchtig, Um seinen Gipfel jagen Nebelschwaden.
A Donnern schickt er oft ins Tal. Und dann schauderts alle auf amal.
Wann er donnert, Gott behüt, Der Berg, der kennt ka Einseg′n nit.
Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, Du bist so groß und i nur a Zwerg. Vül hat's schon pockt, Am Berg aufi g′lockt, G'folgt sans ihm tapfer, Oba da Berg, der wüll sei Opfer.

Der Berg, der lasst halt niemand aus, D'rum steigt′s net aufi, bleibt′s liaber z'Haus,
Alle san sie lange tot, Weu holt der Berg ka Einseg′n hot. Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg, Du bist so groß und i nur a Zwerg.

Watzmann, Watzmann, Schicksalsberg,
Du bist so groß und i nur a Zwerg

 

(Nach dem großartigen Wolfgang Ambros)

 

Datum: 02.09.2023

Teilnehmer: Till und Simone

 

Gipfel:

Watzmann Südspitze 2713m

Watzmann Mittelspitze 2712m

Watzmann Hocheck 2651m

 

Schwierigkeiten: UIAA III+, Stellen III, meist II, I und Gehgelände - anspruchsvolle Wegfindung! 2300HM

Wetter: schöner Spätsommertag mit abendlicher, leichter Gewittergefahr, die sich später dann aber auflöste, warme Temperaturen.

Bedingungen: in den Rinnen oft feuchter bis nasser Fels, sonst trocken. Viel Sand und absturzbereiter Schotter auf den Bändern

 

 

Strecke: Parkplatz Königssee 613m – Schifffahrt von Königssee nach Sankt Bartholomä – Eiskapelle – Einstieg Ostwand 830m - Watzmann Ostwand – Watzmann Südgipfel 2713m – Watzmanngrat - Watzmann Mittelgipfel 2712m – Watzmann Hocheck Gipfel 2651m - Watzmann Haus 1930m - Falzsteig – Kührointalm – Parkplatz Königssee 613m

Eine kleine Übersicht unserer Runde, Ohne jeglichen Maßstab.

Oft war ich schon auf dem Watzmann. Oft hat er mich gerufen aber jedes mal bin ich ihm ausgekommen. Verschiedene Routen und verschiedene Herangehensweisen. Ich hatte den Watzmann heuer nicht auf meinem Zettel, aber wenn er ruft....muss man gehorchen...

 

Auf was man immer so alles kommt, um den langen Hüttenzustieg zur Bordierhütte etwas angenehmer zu gestalten, erzählt man halt von seinen letzten Erlebnissen und zukünftigen Plänen. Dabei beschließen wir, dass wir doch mal gemeinsam die berühmte Ostwand des zweithöchsten Gebirgsmassivs Deutschland versuchen wollen.

 

Lang hats nicht gedauert und wir stehen gemeinsam mit Simone am Bootsanleger der Königsseeschifffahrt und mischen uns unter einer Horde Touristen. Nach dem obligatorischen Trompetenbläserstopp an der Echowand landen wir auf der Halbinsel Hirschau, wo uns die markant roten Türme der Wallfahrtskirche willkommen heißen.

 

Sankt Bartholomä ohne Menschen...

Wir gehen an Land und marschieren am Wirtshaus vorbei Richtung Ostwandlager. Eine Bergsteiger Selbstverpfleger-Unterkunft nur den Ostwandaspiranten vorbehalten ist. Die Hütte ist voll. Das gut vorausgesagte Wetter am kommenden Tag hat sich rumgesprochen. Wir genießen die Stille des Königssees, als das letzte Touristenboot abgelegt hat. Herrlich, ich sauge die Stimmung in mir ein und schlendere auf den sonst überfüllten Wanderwegen umher.

 

Zurück im Ostwandlager, besprechen wir noch kurz unsere morgige Taktik, die Abmarschzeit und beschließen den Tag mit einer Flasche Rotwein. Anschließend legten wir uns hin und hofften auf einen ruhigen Schlaf.

 

Die Watzmann Ostwand

Um 04:45 Uhr klingelte mein Wecker, den ich eigentlich nicht gebraucht hätte. Denn seit kurz vor 04:00Uhr ist Happy-Hour im Ostwandlager. Licht, wildes Getrampel, Tütengeraschel, Normale Gesprächslautstärke zeugen von keinerlei Rücksichtnahme auf andere Bergsteiger, die später aufstehen wollten. Mir geht es nicht gut, habe nicht geschlafen, denn ich hatte die ganze Nacht durch Kopfweh. War der Wein schlecht? Nix geht über einen guten Start, dachte ich mir! Wir packten schnell unsere paar Sachen, richteten die DAV-Decken ordentlich auf unser Bett zusammen und verließen leise die Hütte.

 

Draußen im Schein meiner Stirnlampe packte ich meinen Rucksack fertig. Es ist warm, die Nacht lautlos. Herrlich! Noch kurz die Wettervorhersage gecheckt, alles gut. Erst ab 18 Uhr eine Gewittergefahr von 40%. Alles gut! Nur 10 Minuten nach dem Aufstehen marschierten wir Richtung Eiskapelle los. Auf dem gut ausgebauten Wanderweg wanderten wir in den Mischwald hinein. Am Bach unterhalb der großen Holzbrücke füllten wir noch einmal unsere Wasserreserven auf. Kurze Zeit später erreichten wir das Ende des Wanderwegs. Ein kleiner Steig nahm uns auf und schon kurze Zeit später erreichten wir das Bachbett unterhalb der Eiskapelle. 

 

Glühender Watzmann im Morgenlicht.

Unzählige Steige führten auf den grasigen Rücken links der Eiskapelle hinauf, aber welcher war der richtige? Leider stellten wir nach einiger Zeit fest, dass der von uns gewählte Steig der falsche war. Wir querten im steilen Grashang ein wenig nach rechtsunten, mussten etwa 30 Höhenmeter einbüßen aber waren dann wieder voll auf Kurs. Es war warm, schwül und uns lief der Schweiß gerade so runter. Immer wieder drehten wir uns um, denn der Sonnenaufgang stand kurz bevor. Magisch, der Königssee tief unter einer Nebelglocke, darüber, über dem Hagengebirge trauten sich die ersten Sonnenstrahlen über die Berggipfel. 

Als wir den großen Schuttkessel erreichten, überholten uns im Laufschritt, Thomas Huber, Laura Dahlmeier und Peter Schlickenrieder mit Kunden und Freunden. Ein Tross von 15 Personen die freundlich aber ziemlich abgehetzt grüßten. Also gut, dann sollte unsere Ostwandbegehung mit der lokalen und Garmischer Bergsteigerprominenz stattfinden. Mir machten erst mal Pause, zogen Gurt und Schlosserei an und schlossen wieder auf Thomas, Laura und Peter auf, die Ihrerseits Pause machten. Auf der anderen Seite des Schuttkessels folgten wir den Begehungsspuren in Richtung Sporn 1 und 2, die stellenweise richtig bröselig war. Hier konnten wir schon die Wasserfallwand sehen, die erste dreier Stelle.  

 

Impressionen aus dem unteren Teil der Wand.

Kurz unterhalb der Wasserfallwand waren wir in mitten eines Pulks von etwa 25 Leuten. Wir hatten auf die Frühaufsteher aufgeschlossen, die teilweise ein wenig unbeholfen und umständlich mit ihren Seilen handwerkten, Steinschlag auslösten und irgendwie nicht dem Gelände gewachsen waren. Hinter uns die Profis und wir mittendrin. Wir ließen uns ein wenig Zeit, ließen Laura, Thomas und Peter vorbei und schauten uns das Schauspiel aus sicherer Entfernung an. Irgendwann war aber unsere Geduld am Ende und wir überholten Seilfrei einige Seilschaften. Schnell war die Wasserfallwand geklettert. Im Kuddelmuddel war das nicht unbedingt 100 Prozent sicher aber ungemein Zielführend. Wir hatten die Frühaufsteher allesamt überholt und konnten nun, ohne Steinschlag unsere Ostwandbegehung fortsetzen. 

 

Die berühmte Biwakschachtel.

Aber der Steinschlag holte uns wieder ein. In einer ewig langen Rinne im zweiten Schwierigkeitsgrat lagen überall abfallbereite Steine auf den Bändern und Tritten. Es war unheimlich schwer keinen Steinschlag auszulösen. Immer wieder hörte man von oben, Achtung Stein! Ich war so froh als wir diese Rinne nach rechts in gutes Felsgelände verließen. Über ein paar dreier und zweier Stellen erreichten wir kurze Zeit später den Brotzeitplatz auf einer kleinen, bewachsenen und abschüssigen Wiese. Hier sollte sich laut Thomas Huber alle drei Ostwandrouten vereinigen, Also, Salzburger, Münchner und Berchtesgadener Weg. 

Wir machten Brotzeit und genossen die Aussicht auf das Hagengebirge, die Teufelshörner und den Königssee mit den roten Türmen von Sankt Bartholomä. Hier war es richtig schön. Die Momente in der „Steinschlagrinne“ war schon wieder vergessen.

 

Wir ließen Laura, Thomas und Peter wieder voran, zum einen war dann die Wegfindung weniger ein Problem, zum anderen konnten wir, ohne Druck von hinten, den Abstand zu Ihnen selbst regulieren und einen möglichen Steinschlag aus dem Weg gehen. Über wunderbare, anregende Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrad kamen wir dem Ostwandbiwak immer näher. Als wir das Biwak sehen konnten, waren „unsere Promis“ schon beim Aufbrechen, so hatten wir das Biwak wieder für uns alleine. Wir machten kurz halt, und setzten uns auf die Heinz Zembsch Bank, die dort für seine 250ste Ostwandbegehung stand. Wir machten noch ein paar Fotos und starteten dann in das letzte viertel der Ostwand. Da dunkle Wolken über uns in die Gipfel umzogen, checkten wir nochmal den Wetterbericht. Aber der wurde eher besser, also keine Sorgen. Wir stiegen weiter in die Ausstiegskamine, die tropfend nass und deshalb unangenehm zu klettern waren. 

Oberer Teil der Watzmann Ostwand.

Am Sattel und vor der Schlüsselstelle angekommen, konnten wir die vor uns kletternden Seilschaften beim überklettern der Schlüsselstelle, eine III+ Stelle zusehen. Es war jetzt nicht sonderlich ausgesetzt, aber senkrecht und auf eine Länge von nur einem Meter Griff- und Trittarm. Die fest installierte Stahlseilschlinge half da nur bedingt. Deshalb entschlossen wir uns unser Seil zu benutzen. Wenn wir es schon dabei haben.

 

Till stieg voraus und sicherte uns kurz mit Seilweiche hinauf. Jetzt war uns der Weg nach oben frei. Schnell wurde das Seil wieder verpackt und weiter ging es. In den Ausstiegsrinnen hatten wir noch einmal sehr gute Kletterei im zweiten Schwierigkeitsgrat ehe wir auf dem sehr belebten Watzmanngrat ausstiegen. Nur noch ein paar Meter in der Westflanke querend, standen wir sekundenspäter auf dem Gipfel der Südspitze. Sage und schreiben 20-30 Menschen empfingen uns auf dem Gipfel. Das war nach der Abgeschiedenheit in der Wand doch ein wenig zu viel für unser Gemüt. 

Aus der Wand entkommen auf dem Gipfel der Watzmann Südspitze.

Das obligatorische klingeln des kleinen Glöckchen, das auf dem Kreuz der Südspitze allen Ostwandbegehern vorbehalten ist, wurde natürlich ausgiebig zelebriert und ließen wir uns nicht nehmen. Freudig umarmten und beglückwünschten wir uns zu dieser wunderschönen Bergfahrt.

 

Nur kurz hielten wir uns auf dem Gipfel, denn wir hatten den ganzen Watzmanngrat zurück zum Watzmannhaus noch vor uns. Ich war richtig froh, als wir den Gipfel wieder verlassen konnten. Schnell verloren wir an Höhe. Die vielen versicherten Stellen des Grates machten diesen richtig angenehm zu begehen. Im ständigen Auf und Ab kamen wir dem Mittelgipfel näher. Immer wieder sahen wir Bergsteiger die völlig am Ende neben dem Stahlseil sitzend Pause machten. Ich dachte mir immer öfter, ob sich das heute für diese Jungs noch ausgehen wird. Ich kenne den Abstieg ins Wimbachgrieß und der ist nicht einfach und zieht sich gewaltig. 

 

Auf dem Watzmanngrat zurück zum Watzmann Haus.

Am Gipfel des Mittelgipfels angekommen, machten wir kurz Pause. Ich verteilte eine Runde Powershots, wir tranken eine Runde Cola und anschließend machten wir uns auf den Weg zum Hocheck Gipfel, wo man von weitem schon die Biwakschachtel erkennen konnte. Die knapp 2300 Höhenmeter, die wir mittlerweile seit den Morgenstunden in den Beinen hatten, machten sich schon gewaltig bemerkbar. Aber noch war unsere Energie nicht am Ende. Nach einer kurzen Pause auf dem Hocheck Gipfel, starteten wir unsere nächste Etappe zum Watzmannhaus und weiter dann zur Kührointalm, wo wir eine große Essenspause machen wollten.

 

Der Abstieg vom Hocheckgipfel kam mir so richtig lang und unangenehm vor. Meine gedanklichen Essenswünsche auf der Kührointalm wechselten minütlich. Endlich war die letzte Kehre geschafft und wir waren auf dem Falzköpfl, wo das Watzmannhaus oben thronte. Nach einer letzten Wasserauffüllaktion stiegen wir auf dem wunderschönen Falzsteig zur Kührointalm ab. Teilweise nasse Felsen machten den Steig doch noch einmal zu einer Herausforderung für unsere müden Beine. 

 

Fast am Ziel unserer Runde. Auf der Kührointalm ließen wir uns so richtig verwöhnen.

Endlich auf der Kührointalm angekommen, bestellten wir uns unser Mahl und genossen bei Livemusik die letzten Sonnenstrahlen eines unglaublich eindrucksvollen und erlebnisreichen Tages. Der zum Schluss bestellte Marillenschnaps machte den eigentlich einfachen Forststraßenabstieg zum Königsseeparkplatz doch nochmal zu einer letzten unvorhergesehenen Herausforderung. 

Fazit: Was für eine Tour. Diese Ostwand wird Ihrem Ruf wirklich gerecht. Eine wilde Aktion so eine Besteigung. Viel lockeres abstutzbereites Gestein, das nur darauf warten den Weg nach unten anzutreten. Man kann dem Erstbesteiger, Herrn Johann Grill nur den größtmöglichen Respekt zollen. Einen Weg durch diese völlig unübersichtliche Wand zu finden, das war ein Meisterstück.

 

Der Schwierigkeitsgrad ist nicht das große Ding, der Weg ist mit III bzw. III+ nicht besonders schwer. Auch an den markanten Stellen sind Haken angebracht. Sondern die Wegfindung durch diese komplexe Wand und besonders der steinschlagfreie Aufstieg sind die großen Herausforderungen dieser Bergfahrt. Da man besonders in den Rinnen aber auch auf den Rampen untereinander klettert, ist es unbedingt von Nöten, darauf zu schauen, das man keinen Steine lostretet.

 

Alles in Allem ein Erlebnis der Extraklasse in einer Wand der Rekorde! Freude, Dankbarkeit und das Gebimmel der Ostwandglocke anschließend auf dem Gipfel. Der abschließende Watzmanngrat zurück zum Watzmannhaus bzw. Königssee war für uns heute das fehlende Stück zu dieser herausragenden Runde. Anstrengend aber in allen Bereichen lohnend. Danke an Till und Simone für ein außergewöhnliches Erlebnis. 

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